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Rauchmelderpflicht im Südwesten Viele Fehlalarme für Feuerwehren

Rauchmelder sind seit Juni bundesweit Pflicht. Im Südwesten sind die kleinen Geräte schon länger vorgeschrieben. Fehlalarme nehmen zu, trotzdem ziehen Feuerwehren ein positives Fazit.

Feuerwehrleitstelle Mannheim

Die Feuerwehrleitstelle Mannheim

Von Alexander Drechsel, Redaktion Reporter & Recherche

Rauchwarnmelder in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus - lange schieden sich bei dem Thema die Geister: Für die Einen sind die Geräte, die an der Zimmerdecke befestigt werden, ein Gewinn an Sicherheit. Für die Anderen sind sie überflüssig und reine Geldschneiderei. Für Feuerwehren in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz stellt sich diese Frage nicht.

Bei der Berufsfeuerwehr in Mannheim, der drittgrößten Stadt Baden-Württembergs, gingen die Einsatzzahlen seit der Installationspflicht für Rauchwarnmelder nach oben. "Wir merken es tagtäglich, nämlich immer dann wenn die Durchsage 'Rauchwarnmelder' kommt, und das ist viel öfter als früher", resümiert der stellvertretende Feuerwehrchef Karlheinz Gremm. 190 Mal rückte die Mannheimer Feuerwehr im vergangenen Jahr wegen Alarmen durch Rauchwarnmelder aus. Etwa die Hälfte waren Fehlalarme.

Mehr Einsätze in den großen Städten

Mannheim ist keine Ausnahme. Der SWR hat bei Feuerwehren in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz nachgefragt. In den großen Städten stieg innerhalb des vergangenen Jahres die Zahl der Einsätze wegen Bränden. Wenn Rauchwarnmelder anschlugen, fanden die Feuerwehrleute meistens keinen Brand vor - Fehlalarm also.

Für den Mannheimer Feuerwehrmann Karlheinz Gremm überwiegen trotzdem die Vorteile: "Unabhängig von der Personenrettung, die immer die erste und höchste Priorität hat. Aber in der Regel haben sich die Leute schon selbst gerettet, wenn Rauchwarnmelder vor Ort sind. Entsprechend können wir die Sachwerte auch schneller und effektiver schützen."

Brandschäden fallen geringer aus

Mario Ambrosius, Feuerwehr Mainz

Brandschäden fallen kleiner aus, sagt Mario Ambrosius von der Mainzer Feuerwehr

Mario Ambrosius von der Feuerwehr in Mainz bestätigt, dass seit Jahren die Brandschäden kleiner werden: "Man kann sagen, dass sich die Art des Brandes verändert hat. Früher ist die Feuerwehr geholt worden, wenn sozusagen der 'Rote Hahn' auf dem Dach saß und die Flammen aus den Fenstern herausgeschlagen sind. Heute durch die frühzeitige Alarmierung durch den Rauchwarnmelder sind diese Brände kleiner, es raucht sozusagen nur noch."

Weniger Tote durch Brände in Rheinland-Pfalz

Rauchmelder sind inzwischen bundesweit Pflicht. Als letztes Bundesland hatte Berlin im Juni 2016 diese Regelung eingeführt. Vorreiter war Rheinland-Pfalz: Dort wurde die Landesbauordnung bereits 2003 entsprechend geändert.


In Rheinland-Pfalz, wo die Rauchwarnmelderpflicht schon länger als in Baden-Württemberg gilt, ist die Zahl der Brandtoten auf unter 20 Opfer im Jahr zurückgegangen. In Baden-Württemberg ist dieser Rückgang noch nicht klar erkennbar.

Viele Brände entstünden durch Unachtsamkeit, sagt Mario Ambrosius von der Feuerwehr Mainz: "Sei es nun das vergessene Geschirrtuch auf der heißen Herdplatte oder das angebrannte Essen - das sind sozusagen die Klassiker mittlerweile." Feuer durch Rauchen im Bett oder technische Defekte seien weniger geworden. Egal wie und zu welcher Uhrzeit: Im Ernstfall ist das Piepsen des Rauchwarnmelders nicht nur Lebensretter, sondern er schützt auch Sachwerte.

Video der Kampagne "Rauchmelder retten Leben"


Onlineredaktion: Biggi Hoffmann