STAND

Die Autorin Alice Hasters hat sich in einem Buch mit dem Thema Rassismus in Deutschland befasst. Im SWR sagte sie, es brauche Anlässe wie den gewaltsamen Tod von George Floyd in den USA, um wieder gegen Rassismus zu protestieren, weil "man gern verdrängt, dass es Rassismus gibt."

Die Menschen wollten den vermeintlichen Status quo erhalten - nämlich, dass alle Menschen sich gut verstünden und alle Menschen gleich seien. "Es braucht erst diese brutalen Bilder, bis die Leute wirklich keine Entschuldigung mehr haben anzuerkennen, dass das eben nicht der Fall ist und dass diese Art von Übergriffen bestimmten Menschen passiert und anderen eben nicht."

Hasters: Protestes haben neues Ausmaß erreicht

Seit hundert Jahren wird in den USA immer wieder gegen Rassismus protestiert. Geändert hat sich wenig. Die Autorin hofft, dass die derzeitigen Proteste dauerhaft Wirkung zeigen werden, weil sie ein neues Ausmaß erreicht hätten: "Ich will nicht sagen, das wird garantiert alles ändern. Aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass davon nichts übrig bleibt."

Grenzen zwischen gewalttätigem Rassismus und Alltagsrassismus verschwimmen schnell

Für Alice Hasters ist das Thema Rassismus ein Alltagsthema. Die Grenzen zwischen gewalttätigen Rassismus und Alltagsrassismus könnten schnell verschwimmen: "Auch hierzulande gibt es 'Racial Profiling', also eine verdachtsunabhängige Personenkontrolle, die vermehrt nicht-weiße Menschen trifft. Das wiederum führt zu einer Kriminalisierung und eventuell dazu, dass schneller Konfrontationen mit der Polizei passieren."

Ungleiche Lebensverhältnisse auch Ergebnis von Rassismus

Außerdem sei wichtig zu erkennen, dass sich Rassismus nicht nur im alltäglichen Handeln von Personen zeige, sondern auch in der ungleichen Verteilung von Wohlstand: "In jeder Gesellschaft auf der Welt kann man sagen, dass schwarze Menschen oder die dunkelsten Menschen am meisten von Armut betroffen sind." Wie es dazu gekommen ist, das muss aus Sicht der Autorin noch besser verstanden werden.

Mehr zum Thema

Leiter der Antidiskriminierungsstelle Franke im Tagesgespräch "Nicht so rassismus-frei, wie viele glauben"

Rassistische Diskriminierung nimmt auch in Deutschland deutlich zu, sagt der kommissarische Leiter der Anti-Diskriminierungsstelle des Bundes, Bernhard Franke, im SWR Tagesgespräch. Die Behörde legt heute ihren aktuellen Jahresbericht 2019 vor. "Der Ton ist rauer geworden", sagt Franke. Die deutsche Gesellschaft sei "nicht so rassismus-frei, wie viele glauben". Rund ein Drittel aller Anfragen an die Antidiskriminierungsstelle bezögen sich auf rassistische Diskriminierung bei der Job- oder Wohnungssuche oder bei der Einlasskontrolle von Bars und Diskotheken. Insgesamt müsse Deutschland mehr gegen Diskriminierung tun und auch bestehende Gesetze ändern. Das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz beziehe sich nur auf Alltagsgeschäfte, nicht aber auf Ungleichbehandlung im Bereich behördlichen oder staatlichen Handelns, z.B. bei Diskriminierung durch die Polizei beim "racial profiling". Hier müsse nachgebessert werden, sagte Franke im SWR. Das neue Antidiskriminierungsgesetz des Landes Berlin könne dazu Vorbild für andere Länder sein.  mehr...

SWR2 Tagesgespräch SWR2

BW-Innenminister stellt sich hinter die Beamten Rassismus in der Polizei? Debatte nimmt nach Aussagen von SPD-Chefin Esken Fahrt auf

Gibt es ein Rassismus-Problem bei der deutschen Polizei? Während aus der einen Richtung die Forderung nach einem unabhängigen Polizeibeauftragten kommt, hat sich Landesinnenminister Strobl klar positioniert.  mehr...

STAND
AUTOR/IN