Zu langsames Internet: Welche neuen Rechte gegenüber den Anbietern jetzt gelten

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Verbraucherinnen und Verbraucher haben jetzt mehr Rechte, wenn der Internetanschluss langsamer ist, als mit dem Anbieter im Vertrag vereinbart wurde. Die Novelle des Telekommunikationsgesetzes sieht vor, dass die Monatszahlung reduziert werden kann, sollte die Leistung zu gering sein. Voraussetzung ist eine Messung der Internet-Geschwindigkeit mit einer App.

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Nur 25 Prozent aller Internetznutzer bekommen zu Hause die volle Leistung vom Anbieter, ein Viertel surft nicht einmal mit der Hälfte der versprochenen Geschwindigkeit. Das besagt eine Untersuchung der Bundesnetzagentur. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine Umfrage des Geldratgebers "Finanztip".

Über die Rechte von Verbraucherinnen und Verbrauchern, wenn die vertraglich vereinbarte Internet-Geschwindigkeit unterschritten wird, hat SWR Aktuell-Moderator Arne Wiechern mit Arne Düsterhöft gesprochen. Er ist Telekommunikations-Experte beim Geldratgeber "Finanztip".

Arne Wiechern, SWR Aktuell: Heute, am 1. Dezember, ist die Novelle des Telekommunikationsgesetzes in Kraft getreten. Was ändert sich dadurch für die Verbraucher in Sachen Internetanschluss?

Arne Düsterhöft: Die Internetnutzer haben es jetzt leichter, ihren Anbieter in die Pflicht zu nehmen, sich dem Problem des zu langsamen Internets auch wirklich zu stellen. Die Bundesnetzagentur hat feste Vorgaben verfasst, wie die Internetgeschwindigkeit gemessen werden muss. Dafür muss man sich etwas Zeit nehmen. Man muss 20 Messungen an zwei Tagen machen. Da darf die Internetgeschwindigkeit bestimmte Kriterien nicht unterschreiten.

Leider geht dieses Tool erst Mitte Dezember online. Aber auch die Zwischenzeit kann man schon gut nutzen, um das unsägliche Problem mit dem langsamen Internet anzugehen. Man kann zum Beispiel schon eigene Fehlerquellen ausschließen. Außerdem kann man bereits eine Mängelanzeige an den Internetanbieter schicken, wenn man schon vorab einen Internet-Geschwindigkeitstest gemacht hat.

Sie sagen, dass man 20-mal die Geschwindigkeit testen muss. Das klingt extrem aufwendig?

Langsames Internet ist ein komplexes und vielschichtiges Problem. Zuerst sollte man nur einmal richtig messen. Das heißt: der Computer muss per Kabel mit dem Internet-Router verbunden sein. Dann merkt man, wo das Problem liegen könnte. Liegt es in den WLAN-Einstellungen, muss der Test mit dem Kabel problemlos funktionieren. Und dann geht die Fehlersuche los.

Im Grunde gibt es vier Orte, wo das Internet sich verlangsamen kann. Das ist der Computer, der Internet-Router, das WLAN oder die Internetleitung. Der Internetanbieter ist nur dafür verantwortlich, dass die vertraglich vereinbarte Geschwindigkeit auch bei der Internetleitung ankommt. Entstehen darüber hinaus Fehler und Probleme, muss sich der Kunde mit den technischen Feinheiten auseinandersetzen.

Was kann ich tun, damit die Datengeschwindigkeit auch über das WLAN-Netz am Rechner ankommt?

Je größer das Haus ist, und wenn das Internet per WLAN über mehrere Stockwerke verbreitet werden soll, versandet sehr viel in den Funkfrequenzen. Als erster Schritt wäre ein besserer Router möglich. Da gibt es Unterschiede, wie weit sie das Internet tragen. Außerdem gibt es mit dem WLAN-Repeater oder der Powerline auch Zusatzgeräte. Als beste technische Möglichkeit empfehle ich ein WLAN-Mesh-System, das verschiedene Router zu einem WLAN-Netz verbindet.

Man muss aber nicht unbedingt neue Hardware anschaffen. Man kann auch die Einstellungen im WLAN-Router verändern. Außerdem sollte der Router an einem zentralen Ort in der Wohnung aufgebaut sein. Wenn man beispielsweise ein hässliches Modell hinter dem Aquarium versteckt, dann geht dabei viel von der WLAN-Stärke verloren.

Im Zweifelsfall ist es wahrscheinlich besser, den Rechner direkt per Kabel mit dem Router zu verbinden, weil dann auf keinen Fall die Geschwindigkeit über Funkfrequenzen verloren geht?

Das ist schon allein aus den technischen Gegebenheiten so. Vor allen Dingen hilft es, die Fehlerquelle einzugrenzen. Dann kann man auch sagen: für die wichtige Videokonferenz gehe ich ans Kabel und wenn ich nur im Internet surfe, reicht mir das WLAN.

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