Politische Unterstützung für die Missbrauchsaufklärung

ZdK-Chefin Stetter-Karp: "Die Kirchen haben keine Sonderrechte"

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AUTOR/IN
Silke Arning

Die Präsidentin der katholischen Laien sieht zu viel Rücksichtnahme gegenüber den Kirchen beim Missbrauchsskandal. Für den Katholikentag in Stuttgart wünscht sie sich eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem Ukraine-Krieg.

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Der Ukraine-Krieg beschäftigt auch den Katholikentag in Stuttgart, der nach zwei Jahren Pandemie zum ersten Mal wieder mit vielen Gästen, Podiumsdiskussionen, Begegnungen und Konzerten stattfindet. "Wir müssen dem Leben ins Auge schauen", meint die Präsidentin des Zentralkomitees deutscher Katholiken, Irme Stetter-Karp. "Als Deutsche haben wir uns relativ zurückgelehnt. Kriege gibt´s, aber die sind weit weg."

Ein Katholikentag im Schatten des Ukraine-Krieges

Zumindest ein Problem kann die Präsidentin des Zentralkomitees deutscher Katholiken Irme Stetter-Karp von ihrer Liste streichen. Mit Blick auf die Pandemie zeigt sich die Veranstalterin des 102. Katholikentages entspannt. Dafür hat der Ukraine-Krieg das Programm noch einmal kurzfristig durcheinandergewirbelt. Für Irme Stetter-Karp ist es eine bedrängende Frage: "Was sind wir bereit aufzubieten?". Und sie verweist damit auf "die Schattenseiten" des Konflikts, auf einen westlichen Lebensstil, der sich von Exporten abhängig gemacht hat, auf die globalen Zusammenhänge. Sie erwarte von einem Katholikentag, dass er diese vielfältige Realität an sich heranlasse.

Nicht in Entweder-Oder-Kategorien denken

Der Krieg in der Ukraine stellt die Kirchen vor eine besondere Herausforderung, betont die ZdK-Präsidenten, "nicht von dem jesuanischen Weg abzuweichen und dennoch den Ukrainern ein Recht auf Verteidigung nicht abzusprechen". Im Interview der Woche fragte sie danach: "Was kann getan werden, um Putin zu erreichen?" Und sie warnt davor, die Situation in anderen Ländern, speziell in Afrika, zu sehr aus dem Blick zu verlieren. Der entwicklungspolitische Haushalt braucht Unterstützung, fordert sie. Und als Vizepräsidentin des Caritas-Verbandes hat Irme Stetter-Karp auch die sozial Schwachen in der Gesellschaft im Blick, die jetzt mit steigenden Preisen zu kämpfen haben. Bei denen, die betroffen sind, nehme sie Angst wahr und das Gefühl, abgehängt zu werden. "Das ist ein gefährliches Moment".

Enorme Störfeuer für den Reformprozess mit der katholischen Kirche

In einem Jahr wird der so genannte "synodale Weg", der Reformprozess zu Ende gehen, den das Zentralkomitee der deutschen Katholiken zusammen mit den deutschen Bischöfen angestoßen hat. Ein Thema, das auch den Katholikentag in Stuttgart intensiv beschäftigt. Was die Debattenkultur betrifft, zieht Irme Stetter-Karp durchaus ein positives Zwischenfazit, spricht aber von "enormen Störfeuern aus dem internationalen Raum". In offenen Briefen attackierten skandinavische, polnische, aber auch US-amerikanische Bischöfe den deutschen Weg, man wolle die Weltkirche spalten. Ein Vorwurf, den die Katholikin zurückweist. Ihr geht es um eine zukunftsfähige Kirche, in der Laien und Bischöfe gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Falsche Rücksichtnahme der Politik

Was die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals betrifft, fällt das Urteil der ZdK-Präsidentin eindeutig aus: "Die katholische Kirche findet da allein nicht heraus". Hier ist aus ihrer Sicht politische Unterstützung gefordert. "Es fehlen allerdings im Parlament noch die Kräfte, die das entschieden betreiben", kritisiert Irme Stetter-Karp. Sie habe den Eindruck, dass es "eine gewisse Rücksicht gegenüber den Kirchen gab und gibt, da näher zu treten." Daher ihre Forderung: Kein Extra-Land, keine Sonderrechte für die Kirchen.

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Silke Arning