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30 Jahre nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik ist die Wiedervereinigung noch nicht vollendet - das hat der ehemalige Bundestagspräsident und frühere DDR-Bürgerrechtler Wolfgang Thierse dem SWR gesagt. Vor allem menschlich sei noch viel zu tun.

Doch trotz aller Probleme wüssten die allermeisten, auch in Ostdeutschland, dass die Einheit ein Erfolg sei, so Thierse. "Das Glück, nunmehr in einem Rechtsstaat zu leben, in Freiheit zu leben, in einem Land, das in Frieden mit allen seinen Nachbarn lebt. Das nenne ich großes historisches Glück, und das sollten wir Deutschen auch feiern."

"80 Prozent der Ostdeutschen geht es wirtschaftlich gut, sie fühlen sich trotzdem als Bürger zweiter Klasse"

Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident a.D.

Merkel würdigt Lebensleistung ehemaliger DDR-Bürger

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Lebensleistung von ehemaligen DDR-Bürgern gewürdigt. Sie sagte den Zeitungen der Madsack-Mediengruppe, viele Menschen aus der DDR hätten ihre Fähigkeiten im vereinten Deutschland eingebracht. Sie hätten etwas geschafft und viel geleistet.

Im Bundestag hat Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) die Wiedervereinigung als Erfolgsgeschichte gewürdigt. In seiner Rede im Bundestag erinnerte er daran, dass es die ostdeutschen Bürgerinnen und Bürger gewesen seien, die die deutsche Einheit und die Freiheit erkämpft hätten. Ohne ihren Mut wäre das nicht gelungen, so Scholz.

Ostbeauftragter: Unterschiede zwischen Ost und West schwinden

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU), sagte im SWR, die Lebensverhältnisse in West- und Ostdeutschland seien heute faktisch gleichwertig. Die großen Anstrengungen der Transformation in den 90er-Jahren seien zwar für viele Menschen schmerzhaft gewesen, sie hätten sich aber gelohnt.

"Neuer Anlauf, Unternehmen im Osten anzusiedeln"

Marco Wanderwitz, Ostbeauftragter der Bundesregierung

Der Bund, so Wanderwitz, werde jetzt in Zukunftstechnologien wie Digitalisierung, künstliche Intelligenz oder Quanten-Computing investieren. Dabei sei das erklärte Ziel, möglichst viele neue Betriebe in den neuen Bundesländern anzusiedeln.

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Wirtschaftsexperte Pohl: "Wir fühlen uns pudelwohl"

Einer, der den Aufbau-Prozess in den letzten dreißig Jahren sehr eng verfolgt und auch mitgestaltet hat, ist Rüdiger Pohl. Er kam 1994 nach Halle an der Saale und war dort mehrere Jahre Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung. Er lebt auch heute noch als Pensionär mit seiner Frau in der Stadt. Er fühle sich dort "pudelwohl, sonst würden wir nicht nach 25 Jahren immer noch hier leben. Hier geht es uns richtig gut," sagte Pohl dem SWR. Auch seine Söhne hätten ihn damals für "bekloppt" erklärt, als sie nach Halle zogen. "Aber wir waren neugierig, wollten mitmachen und sehen, wie dieses große historische Experiment funktioniert," so Pohl. "Wir haben die letzten 25 Jahre so erlebt, dass es immer besser wurde."

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