Ein silbernes Elektroauto von Mercedes lädt an einer Ladesäule (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/ dpa/ Uli Deck)

Autoland Baden-Württemberg

Journalistin im Gespräch: Wie Autofirmen die Umstellung auf Elektro schaffen können

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Mercedes-Benz, Daimler, Porsche, Maybach - Baden-Württemberg ist seit jeher ein Autoland. Aber bleibt es das auch - und wie gut ist die Autobranche für die Zukunft gerüstet?

Birgit Priemer, Chefredakteurin der Zeitschrift Auto Motor und Sport, sieht die Autobauer auf einem guten Weg. Alle hätten die vergangenen sechs bis zwölf Monate genutzt, um sich strategisch neu aufzustellen, sagte Priemer im SWR.

Verbrennungsmotor ist langfristig tot

Die Hersteller seien sich nun darüber einig, dass man langfristig nicht mehr auf Verbrennungsmotoren setzen könne - und hätten ehrgeizige Ziele in Sachen E-Mobilität. "Insofern glaube ich, dass die Würfel schon gefallen sind, dass die Reise sehr stark in Richtung Batterie-angetriebene Autos gehen wird", so Priemer.

"Verkaufserfolge haben natürlich viel mit Förderprämien zu tun." 

Der Erfolg hänge aber davon ab, wie sehr Kunden die neuen Produkte akzeptierten, wie sich die Infrastruktur für Ladesäulen entwickle und wie stark der Staat E-Mobilität langfristig fördere- denn die bisherigen Verkaufserfolge seien auch auf die Förderprämien zurückzuführen.

Vor allem Zulieferer müssen sich umstellen 

Eines steht fest: Die Branche wird sich in den nächsten Jahren verändern. Das betrifft vor allem die Zulieferer. E-Autos werden anders gebaut als traditionelle Modelle, brauchen auch weniger Teile. Autojournalistin Priemer geht trotzdem davon aus, dass der Branche nicht zwangsläufig eine Entlassungswelle droht. Der Abbau werde wohl eher über Fluktuation, Abfindungen und Altersteilzeit stattfinden.

"Ich gehe nicht davon aus, dass hier irgendwann mit der Machete durchgegangen wird"

Es werde wohl nicht dazu kommen, dass Tausende von Jobs "einfach so weggekündigt" werden, ohne, dass die Betroffenen eine Alternative angeboten bekommen, sagt Priemer. Die könne zum Beispiel in Umschulungen bestehen. Mercedes beispielsweise versuche in einem Werk, neben klassischen Getrieben auch Batterien zu fertigen.

Wie hart wird die Verkehrswende den Autostandort Baden-Württemberg treffen wird, hänge auch vom weiteren Vorgehen der Autohersteller ab, sagt Priemer. Sie vertraue darauf, dass sich die Firmen beispielsweise noch mehr Know-How für der Entwicklung von Software beschafften. "Da bin ich ehrlicherweise relativ optimistisch, dass die Automobilindustrie den Wandel gut mitgeht."

Keine Angst vor neuen Autofirmen

Es kämen zwar international neue Autohersteller hinzu, sagt die "Auto Motor und Sport"-Chefin. "Aber Autos in Großserie zu bauen - das haben wir auch in den letzten Jahren beobachtet - das ist eine hohe Kunst. Und die wird hier, speziell am Standort BW, hervorragend verstanden - und das verlernt man auch nicht über Nacht."

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