Sozialverband VdK fordert mehr Hilfen wegen hoher Energiekosten

"Mehr Entlastung, bitte!"

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Alfred Schmit

Steigende Energie- und Lebenshaltungskosten machen vielen Menschen Sorgen: "Da muss die Bundesregierung jetzt ran", findet Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbandes VdK. Die angekündigten Entlastungen seien gut, reichten aber nicht. Niemand in Deutschland sollte Angst haben müssen, dass Strom oder Gas abgedreht werden, wenn die Nebenkosten nicht bezahlt werden können.

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Keine Strom- oder Gas-Sperren

Diese Woche haben Bundeskanzler Scholz und Finanzminister Lindner in Berlin angekündigt, wer alles im Laufe des Jahres entlastet werden soll wegen steigender Energiepreise und höherer Inflation. Das sei ja alles gut, sagt Verena Bentele, aber das reiche noch nicht: "Die Bundesregierung muss was tun, und zwar jetzt schon", sagt Bentele im Interview der Woche. "Viele haben zum Beispiel auch Angst davor, dass ihnen der Strom oder das Gas abgedreht wird, dass sie die Nebenkosten nicht mehr bezahlen können, ihre Wohnung verlieren." Das müsse die Bundesregierung mit einem Gesetz gegen mögliche Strom- und Gassperren schnellstens umsetzen, findet die VdK-Chefin. "Es braucht dringend eine gezielte Entlastung, zum Beispiel auch die Energiepreis-Pauschale für Rentnerinnen und Rentner, die sie ja bisher nicht bekommen haben." Das sei nicht nur unfair, sondern verstoße auch gegen den Gleichheitsgrundsatz, so Bentele. Dafür will sie auch vor Gericht ziehen, falls der Bund nicht noch reagiert.

"Jetzt nicht am Sozialstaat sparen!"

Benteles Verband setzt sich ein für Menschen mit wenig Geld: Sie dürften nicht vergessen werden, wenn der Staat jetzt daran geht, steigende Inflation und höhere Energiepreise auszugleichen. Es sei zwar gut, sagt Bentele, dass Bundesfinanzminister Lindner allen helfen möchte, die Einkommensteuer zahlen. Aber darüber dürften Menschen in der Grundsicherung oder mit wenig Rente nicht vergessen werden: "Themen wie das neue Bürgergeld, das kommen soll, die Kindergrundsicherung, Leistungen für pflegende Angehörige, die eine Lohnersatzleistung dringend brauchen, um eben nicht wegen der Pflege in Armut zu leben - All diese Dinge, im Koalitionsvertrag verankert, müssen jetzt auch kommen, und zwar auch finanziell gut ausgestattet", fordert sie im Interview. Ihre Sorge sei, so Bentele, dass über akute finanzielle Hilfen nicht die großen Ziele vergessen werden, die diese Regierung sich vorgenommen hat.

Hilfe für Pflegende: Mehr Infos, mehr Beratung!

Staatliche Hilfsangebote für pflegende Angehörige sind seit Jahren in der politischen Diskussion und liegen dem VdK besonders am Herzen. Ganze 12 Milliarden Euro liegen abrufbereit da, werden aber nicht abgerufen. Wo liegt das Problem? "Viele Menschen wissen nichts von den Leistungen, die ihnen zustehen", sagt Verena Bentele. Weniger Bürokratie und eine Image-Kampagne könnten da hilfreich sein. Der Verband VdK hilft mit Beratung. Denn viele fühlten sich überfordert, schließlich sei ja kaum jemand ausgebildet für häusliche Pflege. Gut wäre auch, findet Bentele, wenn es eine unabhängige Stelle für Informationen dafür gäbe. Kurzzeit- oder Tagespflege? Wie hoch sind die Hilfen? Da sei individueller Rat nötig. Außerdem: "Es braucht eine transparente Darstellung. Auf welche Leistungen haben Menschen einen Anspruch? Wie hoch ist das Budget?" Das müsse klar sein, damit Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sich passende Anbieter suchen können, damit es auch klappt mit der Pflege zu Hause.

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Alfred Schmit