VDA-Chefin Müller: Schneller umsteigen auf E-Mobilität

Deutsche Autos schon 2032 vollelektrisch

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AUTOR/IN
Alfred Schmit

Nach dem Autogipfel im Kanzleramt: VDA-Chefin Hildegard Müller rechnet damit, dass die deutschen Autobauer schon 2032 nur noch rein elektrische Autos in Deutschland verkaufen. Also drei Jahre früher als von der EU gefordert. Weitere Themen im SWR-Interview der Woche sind der Umzug der IAA nach München und die Frage: Was sollte die nächste Bundesregierung für die Autobranche tun?

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Die Chefin des VDA, des Verbands der Automobilindustrie, Hildegard Müller, rechnet damit, dass die deutschen Autobauer schneller als von der EU-Kommission verlangt, auf die Produktion vollelektrischer Autos umsteigen werden. Müller sagt im SWR-Interview der Woche: "Wir gehen davon aus, dass wir, wenn die Pläne der Kommission so Wirklichkeit werden, 2030 rund 80 Prozent der Neuwagen elektrisch zulassen müssen und sehr wahrscheinlich schon 2032 auf reine Elektrik umsteigen wollen."

150 Milliarden für E-Mobilität bis 2025

In Sachen Steuergeld für Autofirmen legt die Autolobbyistin Wert darauf, dass die deutsche Autoindustrie im Lauf der kommenden Jahre nicht nur die Hand aufhält für neue Steuer-Milliarden, sondern selbst massiv investiert: "Die Herausforderung liegt ja nicht nur darin, dass die Autoindustrie diese Autos baut. Da sind wir sehr engagiert dabei. Allein bis 2025 gehen 150 Milliarden Euro aus den Unternehmen in den Umbau der Werke, in neue Antriebe, in Innovationen und Digitalisierung." Es seien aber auch Rahmenbedingungen notwendig, die nicht von den Autobauern und ihren Zulieferern beeinflusst werden könnten, Verbrauchervertrauen zum Beispiel: Dazu müssten im Lauf der kommenden Jahre mehr Lademöglichkeiten für E-Autos her. Und vor allem ausreichend Ökostrom. "Beide Themen müssen uns Sorgen machen. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur hinkt sogar eher weiter zurück als noch vor einem Jahr. Da kamen noch auf einen Ladepunkt etwa zehn Elektroautos. Heute, durch den starken Hochlauf in der Elektromobilität, ist es schon fast eins zu 20. Das heißt, die Relation wird schwieriger."

Autogipfel: Eine Milliarde Steuergeld bis 2025

Die steuerliche Förderung durch die Beschlüsse beim Autogipfel im Kanzleramt diese Woche nehmen die deutschen Autobauer bestimmt gerne mit. Allerdings betont ihre Chef-Lobbyistin Müller auch, dass dieses Geld vor allem so verteilt werden soll, dass Regionen davor bewahrt werden, durch den Wandel in der Auto-Industrie abgehängt zu werden: "Die Zielgruppe ist ganz gezielt die der kleinen und mittelständischen Unternehmen, das sind die Zuliefererunternehmen, die oftmals sehr auch an den Verbrennungs-Komponenten ihren unternehmerischen Erfolg gehängt haben, die jetzt auch sehr gebeutelt sind durch die Corona-Krise." Insgesamt liege die Branche immer noch um rund ein Viertel unter dem Vor-Corona-Niveau. Das bedeute, dass viele Unternehmen gerade jetzt in einer Zeit des Umbruchs kein Geld zur Verfügung hätten für Investitionen in Forschung und Entwicklung. Es gehe hier nicht etwa um eine Unterstützung für größere Unternehmen – also die bekannten deutschen Automarken – die ja auch durch Erfolge in den USA und China profitieren könnten. Sondern dieses Geld solle größtenteils den Zulieferern in den Regionen zugutekommen.

SWR-Korrespondent Alfred Schmit und Hildegard Müller stehen nebeneinander in der Halle des ARD-Hauptstadtstudios in Berlin (Foto: SWR)
SWR-Korrespondent Alfred Schmit und VDA-Chefin Hildegard Müller im ARD-Hauptstadtstudio

Bundestagswahl: Wer auch immer ins Kanzleramt kommt…

Ob eine grüne Spitzenpolitikerin wohl eher geneigt wäre, der Auto-Industrie vorzuwerfen, Manager-Boni und Dividenden-Ausschüttungen passten doch wohl nicht recht zu einer Industrie, die so viel steuerliche Förderung bekommt? Wenige Wochen vor der Bundestagswahl legt sich die VDA-Chefin zwar nicht auf eine Wahlempfehlung fest, doch sie findet die Herausforderung für die nächste Person im Kanzleramt in jedem Fall enorm:

"Ich würde es anders formulieren, jede Bundesregierung, egal wie sie aussieht und jeder, der Bundeskanzler werden will, muss sich dieser großen Transformations-Herausforderungen stellen, im Interesse unseres Landes. Wachstum, Wohlstand, Arbeitsplätze und Klimaschutz gehen meines Erachtens nur gemeinsam." Angesprochen auf das Verhältnis von Subventionen und unternehmerischer Verantwortung, pocht Müller darauf, dass auch künftig die Investitionskraft deutscher Firmen in ihrer Industrie gefragt sein wird: "Ich glaube, 150 Milliarden Euro in den nächsten Jahren, in den nächsten vier Jahren, ist ein schon sehr gutes Versprechen. Das ist mehr übrigens, als der Bund in Bildung, Forschung, Entwicklung und in die Raumfahrt insgesamt steckt. Das zeigt: Diese Branche ist investitionsbereit. Das geht aber auch nur, wenn man Aktionärs-Vertrauen hat."

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Alfred Schmit