Union und Laschet im Umfragetief – Forscherin rechnet trotzdem mit Wahlsieg

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Gut einen Monat vor der Bundestagswahl stürzen die Unionsparteien in der Wählergunst ab. Woran das liegt und warum CDU und CSU vermutlich trotzdem bei der Bundestagswahl im Herbst stärkste Kraft werden, erklärt die Politikwissenschaftlerin Ursula Münch von der Akademie für Politische Bildung in Tutzing im Gespräch mit dem SWR.

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Schlechte Umfragen – der "Laschet-Faktor"

Im aktuellen ARD-Deutschlandtrend würden nur 23 Prozent der Befragten CDU oder CSU wählen. Die SPD schließt auf und liegt bei 21 Prozent. Noch dramatischer sieht es für den Unions-Kanzlerkandidaten Laschet aus. Gäbe es eine Direktwahl, würden sich 41 Prozent für SPD-Kandidat Scholz entscheiden und nur 16 Prozent für Laschet. Das sind vier Prozentpunkte weniger als noch Anfang August. Für die Politikwissenschafterin und Leiterin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing, Ursula Münch, hat "die Berichterstattung und die digitale Aufregung" über Laschets Lachen angesichts der Flutkatastrophe dabei eine Rolle gespielt. Aus ihrer Sicht haben aber auch die Sticheleien von CSU-Chef Söder von Anfang an dafür gesorgt, dass Laschet keinen guten Start als Kanzlerkandidat hatte: "Diese berühmt-berüchtigten zehn Tage, wo die beiden miteinander gerungen haben (…) und das eine oder andere Etikett schon an Laschet haften blieb." Auch im Nachhinein sei die CSU, allen voran Söder, "extrem unzufrieden" damit, wie Laschet Wahlkampf führe, so die Politikwissenschaftlerin.

Sorge um Direktmandate

Die Union hat bei der letzten Bundestagswahl fast alle Mandate als Direktmandate gewonnen. Jetzt machen sich die "Kandidatinnen und Kandidaten der beiden Unionsparteien extreme Sorgen, dass sie unter Umständen unter diesem negativen Trend leiden. Und diese Sorgen macht man sich vor allem auch in Bayern, weil man weiß, um ein wirklich gutes Unionsergebnis erreichen zu können, muss das bayerische CSU-Ergebnis noch mal über dem der CDU liegen", analysiert Münch.

Unionsgeführte Regierung dennoch wahrscheinlich

Laschet hat angekündigt, trotz schlechter Umfragewerte alles dafür zu tun, damit auch die nächste Bundesregierung von der Union geführt wird. Auch wenn der aktuelle ARD-Deutschlandtrend daran zweifeln lässt, geht die Politikwissenschaftlerin davon aus, dass CDU und CSU im September wieder stärkste Fraktion werden. Das liege daran, dass die Union in weiten Phasen der Geschichte die Bundesregierung geführt hat und dass "die Leute zwar häufig Unzufriedenheit äußern, aber gleichzeitig dann doch im Grunde auf Stabilität setzen, auf Sicherheit setzen und sich dann häufig doch eher für eine der beiden Unionsparteien entscheiden", so Münch.

Der Faktor Zeit

Angesichts der aktuellen Umfragen betont sie, dass es bis zur Bundestagswahl "auch noch ein bisschen hin" ist. "Die Begeisterung für alle drei Kandidaten hält sich durchaus noch in Grenzen. (…) Aber viele haben sich noch keine abschließende Meinung gebildet, und das findet bei vielen Wählerinnen und Wählern erst kurz vor der Wahl statt", so die Politikwissenschaftlerin Ursula Münch im SWR.

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