Patronen aus dem Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) liegen aufgereiht auf einem Tisch (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Matthias Balk | Montage: SWR)

Trockenheit macht dem Kampfmittelräumdienst Probleme

Alte Munition in ausgetrockneten Flussbetten: Finger weg!

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INTERVIEW
Bernhard Seiler

Der Leiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Baden-Württemberg, Ralf Vendel, hat aktuell viel Arbeit. Niedrig-Pegel legen alte Munition frei. Im SWR-Interview sagt er, was zu tun ist.

Die beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert sind lange vorbei, aber im Boden schlummern noch viele Überreste davon. Während in Städten solche Funde wegen Bautätigkeiten immer wieder auftauchen, kommt der Kampfmittelräumdienst in Flussbetten eher selten zum Einsatz. Das ändert sich gerade wegen des Niedrigwassers. Passanten sollen Munitionsreste nicht anfassen, sondern zum Größenvergleich ein Objekt neben die mutmaßliche Munition legen und fotografieren - sofort im Anschluss die Polizei verständigen und das Team von Leiter Ralf Vendel entscheidet dann, wie schnell es reagieren muss.

SWR Aktuell: Wie viele Blindgänger haben Sie denn in Baden-Württemberg wegen des Niedrigwassers schon finden können?

Ralf Vendel: Die genaue Anzahl kann ich nicht sagen, aber es sind schon einige. Durch das Niedrigwasser kommen natürlich gefühlt mehr Munitionsfundmeldungen aus Gewässern als am Anfang des Jahres oder zur Winterzeit.

SWR Aktuell: Gehen Sie eigentlich, wenn so ein Niedrigwasser ist, auch selber auf die Suche oder sind Sie da auf Meldungen angewiesen?

Vendel: Also wir gehen nicht selbst auf Suche, sondern wir reagieren auf Meldungen. Wenn wir dort sind, setzen wir natürlich unsere Suchgeräte ein und versuchen, auch noch die nähere Umgebung abzusuchen. Aktuell hatten wir den Fall, dass ein Kanufahrer Munition in einem Flussbett gesehen hat. Es hat sich herausgestellt, dass es fast 30 Granaten waren.

SWR Aktuell: Wenn ich jetzt als Spaziergänger zum Beispiel am Flussufer etwas entdecke, das irgendwie wie Kriegsgerät oder Munition aussieht, wie sollte ich mich dann verhalten?

Vendel: Sie sollten das gefundene Objekten nicht aufnehmen. Sie sollten das, was man sieht, einfach fotografieren - vorher noch irgendwas dazulegen, dass man den Größenvergleich sieht - und dann zur nächsten, zuständigen Ortspolizeibehörde gehen und den Fund dort melden. Wir werden dann von der Polizei verständigt. Wir klären dann mit der Polizei, was gemacht werden muss. Ob man den Fund sofort abholen muss oder ob er noch eine Nacht dort liegenbleiben kann, weil er noch entsprechend gesichert ist. Es kann auch sein, wenn es sich um relativ ungefährliche Munition handelt, dass auch die Polizei das Objekt mitnehmen kann, es eine Nacht im Polizeirevier bleiben kann und wir es dann am nächsten Tag abholen.

SWR Aktuell: In Köln wurde sogar eine Granate aus dem Ersten Weltkrieg gefunden. Die liegt also schon hundert Jahre herum. Kann denn so eine Munition auch nach so langer Zeit noch gefährlich sein?

Vendel: Natürlich - Munition aus dem Ersten Weltkrieg oder sogar noch davor, was wir auch ab und zu finden, kann immer noch "voll" sein. Da kann also noch Sprengstoff drin sein. Auch wenn Sie "nur" Munitionsteile finden, wenn man also nur noch einen Teil der Munition hat, bitte die Finger davon lassen, alles liegen lassen, weil auch dort können noch Sprengstoff-Anhaftungen dran sein. Oder Sie haben bei manchen Sachen sogar den "scharfen" Teil in den Hand, obwohl das Objekt gar nicht mehr komplett aussieht.

SWR Aktuell: Wenn so etwas gefunden wird, dann muss es natürlich weg. Sie haben schon gesagt, dass die Polizei so ein Objekt auch selbst aufbewahren kann, wenn es nach ihrer Einschätzung eher ungefährlich ist. Wenn es aber mutmaßlich wirklich noch etwas "scharfes", gefährliches ist - wie aufwendig kann dann so eine Bergung werden?

Vendel: Das kommt immer auf die Lage und auf dem Munitionsfund an. Wenn wir vor Ort ankommen und zum Beispiel sehen, dass es sich um Munition handelt, die eigentlich nicht mehr transportfähig ist, dann müssen wir die Munition vor Ort sprengen. Das bedeutet, man muss mit der Polizei oder auch mit Rettungskräften einen bestimmten Bereich evakuieren, bevor wir mit unserer Arbeit beginnen und die Granate oder Bombe sprengen können. Was auch möglich ist - dass die Lage von einem Objekt so weit abseits von gangbaren Wegen ist, dass wir uns abseilen oder einige Meter durchs Wasser durchlaufen müssen. Nicht überall kommt man an diese Objekte gleich ran. Aktuell hatten wir den Fall, dass ein Kanufahrer Munition in einem Flussbett gesehen hat. Sie ist aber direkt vom Ufer nicht erreichbar gewesen. Wir mussten also 50 bis 80 Meter durch den Fluss waten, bis wir zu diesem Objekt kamen. Es hat sich danach herausgestellt, dass es fast 30 Granaten waren, die dort und in der näheren Umgebung lagen.

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