Hungerproblem immer größer

Svenja Schulze: "Das geht einem unter die Haut"

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Der Ukraine-Krieg verstärkt das Problem mit Hunger weltweit. Bundesentwicklungsministerin Schulze hat sich vorgenommen, voranzugehen und nachhaltig zu helfen.

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Svenja Schulze, Bundesentwicklungsministerin, hat ihr Thema gefunden: Sie setzt sich besonders für Ernährungssicherheit und gegen den Hunger auf der Welt ein. Ein Problem, das durch den Krieg in der Ukraine noch einmal verschärft wird. Das Welternährungsprogramm warnt, dass als Folge des Krieges weltweit bald 330 Millionen Menschen an Hunger leiden könnten, aktuell spricht die UNO-Organisation von 276 Millionen hungernden Menschen.

Der Grund: Die Welt hat es mit vielen Krisen auf einmal zu tun, sagt Schulze im SWR Interview der Woche. "Wir müssen ganz viel gleichzeitig schaffen. Wir müssen uns auf die Klimaveränderungen einstellen. Wir müssen für den Klimawandel etwas tun, damit das nicht so weitergeht, den Verlust der Biodiversität aufhalten. Wir haben immer noch die ganzen Folgen von Covid. Aber es hilft nichts, wir müssen alle diese Krisen gleichzeitig lösen."

"… wirklich unter die Haut gegangen."

Ein Land, das diese gleichzeitigen Krisen heftig getroffen hat, ist der Libanon. Fast die Hälfte der Menschen dort hat Schwierigkeiten, sich mit Essen zu versorgen. Schulze hat die Hauptstadt Beirut Anfang der Woche besucht und zehn Millionen Euro zusätzlich versprochen, um kurzfristig zu helfen. Sie hat sich angeschaut, wo das Geld hinfließt – und spricht im SWR-Interview von einer bedrückenden Reise, die sie so schnell nicht vergesse - weil der Libanon auf einem guten Pfad gewesen sei bis zur Explosion vor knapp zwei Jahren. "Wir haben dort mit einer Bäckersfamilie gesprochen. Das ist mir wirklich unter die Haut gegangen. Eine kleine Bäckerei, die in der Nähe des Hafens gebacken haben und jetzt durch diese Explosion gar keine Chance mehr hatten zu backen. Es war alles kaputt. Wir konnten da helfen, das wieder aufzubauen. Aber jetzt haben sie enorme Schwierigkeiten, überhaupt noch an Mehl heranzukommen. Die Preise sind enorm gestiegen", berichtet Schulze im Interview der Woche.

Der Grund für die Mehlknappheit: Der Libanon ist fast vollständig abhängig von Weizenimporten aus der Ukraine. Wegen der Blockade durch Russland kommt aber kaum noch etwas davon an. Der Libanon ist nur ein Beispiel für Länder, die wegen der gleichzeitigen Krisen kippen. Für Svenja Schulze ist klar: "Wir müssen helfen. Jetzt humanitär, also mit unmittelbarer Lebensmittelhilfe. Wir müssen aber auch über den Tag hinaus Hilfe leisten. Noch besser ist es, wenn wir es schaffen, dass die Staaten unabhängiger werden von diesen Lebensmittelimporten, also wenn sie es schaffen, wieder eine eigene Landwirtschaft aufzubauen."

Svenja Schulze und Christopher Jähnert in der Regie im ARD-Hauptstadtstudio, bei der Aufzeichnung des Podcasts. (Foto: SWR)
Svenja Schulze und Christopher Jähnert im ARD-Hauptstadtstudio.

Mehr Geld für Entwicklungshilfe

Unter anderem deshalb hat sie dafür gekämpft, dass ihr Etat nicht weiter gekürzt wird. Ursprünglich sollte er auf 10,8 Milliarden Euro sinken. Das Kabinett hat am vergangenen Mittwoch allerdings noch einmal eine weitere Milliarde genehmigt. "Eine wirklich gute Nachricht", so Schulze. Teile davon wird sie wohl dafür verwenden, ihr "Globales Bündnis für Ernährungssicherheit" anzuschieben.

Für diese Idee hat sie Werbung bei der Weltbank und bei ihrer Reise in dieser Woche nach Äthiopien gemacht. Das Motto laut Schulze: "Wir müssen die Hilfen auch besser koordinieren, sodass kein Land vergessen wird, dass wirklich überall die Hilfe auch ankommt." Es gehe dabei nicht nur um Geld. Deutschland ist schon jetzt zweitgrößter Geldgeber des Ernährungsprogramms nach den USA.

Gerüchte: Sanktionen schuld am Hunger

Daneben hat sie nach ihren Angaben auch Gerüchte klarstellen müssen, die in Afrika herumgehen. "Also die Gerüchte sagen, nicht der Angriffskrieg von Putin gegen die Ukraine sei das Problem und dass er den Hafen (in der Ukraine, d. Red) bombardiert, sondern unsere Sanktionen. Und das stimmt einfach nicht. Die Sanktionen nehmen Lebensmittel, nehmen medizinische Güter, nehmen humanitäre Hilfsgüter ausdrücklich aus", so Schulze. Unter anderem das war Thema ihres Treffens mit Vertretern der Afrikanischen Union.

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