Schlafforscher über Müdigkeit: Im Winter schlafen wir automatisch etwas länger

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Gerade im Winter fühlen sich viele Menschen müder als sonst. Zu dieser Jahreszeit schlafen wir statistisch gesehen eine halbe Stunde länger, erklärt der Berliner Schlafforscher Ingo Fietze. "Wir dürfen uns nicht wundern, wenn man tatsächlich etwas mehr Schlaf braucht, und das ist auch gut so. Wir schlafen sowieso viel zu kurz, gerade in den Sommermonaten."

Im Winter starke Glühbirnen installieren

In der dunklen Jahreszeit fehle außerdem etwas Wichtiges: die Sonnenstrahlen, denn die sind Fietze zufolge der effektivste und beste "Weckreiz". Wer im Winter schwer aus dem Bett komme, solle deshalb am besten mindestens 100 Watt-Glühbirnen installieren, um wach zu werden, rät der Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums an der Berliner Charité.

Am besten zwischen 22 und 6 Uhr schlafen

Unabhängig von der Jahreszeit empfiehlt er, möglichst zwischen 22 und 6 Uhr zu schlafen - denn das sei das "Schlaf-Fenster", in dem wir den gesündesten und besten Schlaf bekämen. Statistisch gesehen kämen Menschen in Deutschland im Schnitt pro Nacht auf 7,2 Stunden Schlaf. "Das hört sich gar nicht so schlecht an", sagt Fietze. Aber bei Werktätigen sei die Dauer des Schlafs unter der Woche kürzer als sieben Stunden und damit zu kurz.

Trotz viel Schlaf total müde

Viele in Deutschland litten zudem unter schlechtem Schlaf: "Zwei Drittel der Bevölkerung haben irgendeine Form von Schlafproblemen." Eines davon sei, dass viele trotz langer Schlafdauer morgens trotzdem unglaublich müde seien. Denkbar sei in diesem Fall eine sogenannte Hypersomnie: "Das heißt, das Schlafsystem dominierte über dem Wachsystem. Ich kann noch so lange nachts schlafen - ich bin den ganzen Tag über immer noch müde oder schläfrig", erklärt der Schlafforscher. In so einem Fall sei es am besten, einen Schlafexperten um Rat zu fragen.

Besserer Schlaf durch Kopfhörer?

Guten Schlaf könne man leider nicht erzwingen, so Fietzes Fazit. Doch Wissenschaftler forschen ihm zufolge an neuen Möglichkeiten: "Zum Beispiel, um mit einer Elektrode auf der Stirn oder mit Kopfhörern die Schlafqualität zu verbessern und den Schlaf zu intensivieren - damit ich vielleicht gar nicht 7,5 oder 8 Stunden brauche, sondern mit sechs Stunden intensivem, guten Schlaf klarkomme."

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