Rechtes Gegröle: Was das über die Gesellschaft sagt

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Jonathan Hadem
Jonathan Hadem steht im Gang eines SWR-Gebäudes.
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Andreas Böhnisch

"Ausländer raus" wird auf Partys und Volksfesten gegrölt. Das zeigt, Rechtsextremismus sei tief in der Mitte der Gesellschaft verwurzelt, sagt der Journalist Andreas Speit.

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Im Sylter Nobellokal "Pony", auf einem Schützenfest in Niedersachsen und der Bergkirchweih in Erlangen werden ausländerfeindliche Parolen gegrölt. Den Journalisten und Rechtsextremismus-Experten Andreas Speit überraschen die Vorfälle nicht. Im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Jonathan Hadem sagt er, rassistische Ressentiments seien tief in der Mitte der Gesellschaft verinnerlicht. Das zeige sich auf Sylt daran, dass niemand protestiert habe und gesagt habe: "Lasst das bitte mal. Das ist völlig unangebracht."

Rechtsextremes Gegröle - ohne nachzudenken

Die Verwendung von Popmusik und Schlagern zur Verbreitung rechtsextremen Gedankenguts sei nicht neu, erklärt der Journalist. Als Beispiel nennt er die Band "Gigi und die Braunen Stadtmusikanten". Die hätten Schlager oder Songs der Neuen Deutschen Welle genommen und die Texte verändert - "ein wenig gegen die Polizei, ein wenig gegen jüdische Menschen, gegen Ausländer und Migranten". Das habe gut funktioniert. "So kann man schön mitgrölen und Party feiern, ohne dass viel nachgedacht wird."

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Sorgen bereitet dem Rechtsextremismus-Experten, dass durch das Abändern der Songtexte, ausländerfeindliches Gedankengut in die Schulen getragen werde. "Ich kann mich an Beispiele erinnern, wo wir bei Projekten erlebt haben, dass normale Schülerinnen und Schüler, die Lieder auch kannten, weil die auf ihren Partys gespielt wurden."

AfD mitverantwortlich für rechtsextremes Gegröle

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hat im SWR Interview der Woche die AfD mitverantwortlich für die ausländerfeindlichen Parolen gemacht. Andreas Speit sieht das genauso: "Zehn Jahre AfD hat zur Folge, dass sich das Sag- und Wählbare weit nach rechts verschoben hat." Studien hätten gezeigt, dass es "nach dem Wort auch zur Tat kommen kann". Im schlimmsten Fall würden nicht nur rechtextreme Parolen gegrölt, sondern Straftaten verübt.