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An diesem Wochenende wählt die CDU auf ihrem digitalen Parteitag einen Nachfolger für Parteichefin Kramp-Karrenbauer. Drei Kandidaten stellen sich zur Wahl: Ex-Fraktionschef Friedrich Merz, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und der Außenpolitiker Norbert Röttgen. Lange sah es so aus, als wäre Merz der große Favorit, dahinter Laschet, und Norbert Röttgen eher abgeschlagen auf Platz drei. Inzwischen hat Röttgen - zumindest in Umfragen - deutlich aufgeholt. Für den Politikwissenschaftler und Parteienforscher Uwe Jun von der Uni Trier bleibt Röttgen trotzdem der "Außenseiter".

In der Partei wenig verankert

Im SWR erklärt Jun seine Einschätzung: "Weil er in der Partei wenig verankert ist, und weil am Ende die Delegierten entscheiden, nicht die Parteibasis und schon gar nicht die Wähler." Dennoch habe Röttgen einen guten innerparteilichen Wahlkampf geführt, sich sehr sympathisch präsentiert und den Aspekt der "Erneuerung" betont.
Röttgen habe etwas davon profitiert, dass sein Konkurrent Laschet zu Beginn der Corona-Krise "keine besonders gute Figur in den Augen vieler Wähler und auch CDU-Mitglieder abgegeben hat", so Jun. Dieses Bild habe Laschet aber inzwischen korrigiert.

Röttgen kann und muss nicht "den Saal rocken"

Aus Sicht des Parteienforschers kommt ein digitaler Parteitag dem eher rationalen Röttgen entgegen: "Da kann man nicht den Saal rocken. Das wäre auch nicht das, was Norbert Röttgen liegt. Er sucht eher die argumentative Auseinandersetzung. Das ist sicher das, was in den letzten Monaten vom einen oder anderen gutgeheißen wurde." Außerdem habe Röttgen als Außenpolitiker durch den Wechsel im Weißen Haus mehr Aufmerksamkeit bekommen. Dennoch würde es Jun "wundern, wenn er tatsächlich in die Stichwahl käme, von der ich ausgehe, dass sie stattfinden wird. (…) Weil er keine großen Mitstreiter hat."

Wenn nicht Parteichef, dann ein anderer Posten

Auch wenn Röttgen nicht CDU-Vorsitzender werden sollte, werde ihm seine Kandidatur nützen, davon ist der Politikwissenschaftler überzeugt. Er habe in den letzten Monaten "eine gute Figur" gemacht, und werde "sicherlich davon profitieren, was zukünftige Aufgaben in der CDU betreffen wird", so Jun.

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