Sven Plöger steht vor einem "Green Screen" und präsentiert das Wetter in einem Fernseh-Studio (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Boris Roessler | Bearbeitung: SWR)

Rekordsommer 2022

TV-Wettermann Plöger: Kein Ende der Hitze und Trockenheit in Sicht

STAND
INTERVIEW
Stefan Eich
ONLINEFASSUNG
Felix Kästner

Hitzewellen, Trockenheit, Waldbrände: Der Sommer 2022 hat es mal wieder in sich - auch bei uns in Deutschland. Erste Regionen im Südwesten warnen schon vor Wasserknappheit.

Sven Plöger ist Meteorologe und präsentiert unter anderem das Wetter bei den ARD-Tagesthemen. SWR Aktuell hat mit ihm über die nächste Hitzewelle, den Klimawandel und künftige Herausforderungen gesprochen.

SWR Aktuell: Herr Plöger, wie heiß wird es denn bis zum Ende der Woche und darüber hinaus?

Sven Plöger: Wahrscheinlich sehr heiß. Ich habe mir gerade noch einmal die neuesten Modelle angeschaut und es deutet sich an, dass wir mit dem heutigen Dienstag schon mal auf die 30 Grad zulaufen, das ist nicht ungewöhnlich. Dann gibt es Mittwoch, Donnerstag 33 bis 35 Grad. Das betrifft vor allen Dingen den Süden, insbesondere Baden-Württemberg. Weiter im Norden Deutschlands passiert deutlich weniger, da liegen wir oft sogar unter 25 Grad. Und dann nimmt das Ganze nach einer leichten Abkühlung am Wochenende noch mal einen richtig neuen Anlauf: Dann könnte das in Richtung 40 Grad gehen. Auf jeden Fall kann man sagen: riesig heiß, weiterhin keine Niederschläge und die Trockenheit setzt sich fort.

"Hitzewellen in dieser Häufung, Ausprägung und Intensität - das ist ganz klar der Klimawandel. Punkt."

SWR Aktuell: Kann man sich das noch irgendwie schönreden und sagen "es ist halt Sommer, da war es immer schon heiß und trocken" - oder ist das nun wirklich 100 Prozent Klimawandel?

Plöger: Natürlich ist das jetzt auch wieder ein Wettergeschehnis. Hitzewellen haben wir auch früher schon gehabt. Aber es ist ganz eindeutig in dieser flächenmäßigen Ausprägung, in dieser Intensität: Der tragische Marmolata-Gletschersturz, wo man tatsächlich jetzt oben auf der Marmolata 13,1 Grad gemessen hat, dann Temperaturen um die 45 Grad und mehr in Spanien und Portugal über viele, viele Tage, da muss man ganz klar sagen: Das ist der Klimawandel. Punkt.

SWR Aktuell: Wie wahrscheinlich ist es denn, dass sich an dieser extremen Trockenheit und Hitze, vor allem in Südeuropa, in den nächsten Wochen noch etwas entscheidend ändert?

Plöger: In den nächsten Wochen ist natürlich immer viel möglich. Wenn ich auf meine Wettermodelle schaue, dann habe ich immer mit Geschehnissen in den nächsten Tagen zu tun. Wir Meteorologen sagen immer, man kann das Wetter drei Tage sehr gut vorhersagen und bei den Temperaturen eine Blickrichtung von, sagen wir, 15 Tagen machen. Es gibt einen weiteren Hochsommermonat, den August. Da kann man im Moment noch sehr wenig darüber sagen. Derzeit liegt ein Tief quasi ortsfest vor Spanien und Portugal. Man muss sich das gedanklich vorstellen: Tiefs drehen sich auf der Nordhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn. Das bedeutet, die Heißluft kommt direkt aus Marokko, aus Algerien, direkt aus der Sahara. Das drückt die Temperaturen so hoch. Dieses Tief schwächt sich dort jetzt etwas ab und die Werte gehen zurück. Dann legt sich das nächste Tief in der gleichen Weise vor Frankreich. Und dann gibt dort Temperaturen durchaus bis deutlich über 40 Grad. Wir kommen nicht ganz so in diesem Bereich, sodass bei uns 40 Grad die Grenze ist. Aber im Moment deutet sich erst einmal keine nachhaltige Abkühlung an und vor allen Dingen auch keine Niederschläge. Und das ist ja das, was riesig fehlt. Wenn man jetzt noch einmal in den Norden Italiens springt: Der Po ist seit 70 Jahren nicht mehr mit einem so niedrigen Pegel ausgestattet gewesen wie jetzt. Das ist schon eine extrem angespannte Lage.

Audio herunterladen (4,9 MB | MP3)

SWR Aktuell: Schlussfrage: Wir denken gerade mit Sorge an den kalten Winter, in dem vielleicht das Gas knapp wird und wir frieren müssen. Sollten wir uns mehr Sorgen wegen der künftigen heißen Sommer machen?

"Das Thema Kühlung wird eine der künftigen Herausforderungen im Klimawandel sein."

Plöger: Ich glaube, im Moment beides gleichzeitig. In Sachen Gas und Energieversorgung gilt es, wegzukommen von Abhängigkeiten, über die wir nun viel gesprochen haben. Wir machen jetzt im Grunde die Vermeidung einer Bruchlandung. Wir haben seit vielen Jahren nicht bemerkt, wo wir stehen. Jetzt gilt es, in den nächsten Winter und in den übernächsten zu schauen. Dann werden wir hoffentlich die Gesamtsituation verbessert haben. Und deswegen muss ich ganz klar sagen: Die heißen Sommer und die notwendige Kühlung werden ein Thema. Wir sind ein Kontinent mit einer alternden Gesellschaft. Der menschliche Kreislauf ist extrem belastet bei solcher Hitze, das heißt also Kühlung und der nächste Sommer werden die Herausforderungen schlechthin im Klimawandel sein.

Mehr zum Thema Sommerhitze

Baden-Württemberg

Temperaturen bis zu 40 Grad Es wird richtig heiß: Hitze trifft Baden-Württemberg in zwei Phasen - Neuer Rekord?

In den kommenden acht Tagen wird es in Baden-Württemberg extrem heiß. Auch die 40-Grad-Marke könnte laut Experten geknackt werden.  mehr...

Tipps bei tropischen Temperaturen Bei Hitze: Mehr trinken und mehr Salz, auch in der Limo

Wenn die Luft ab 30 Grad zu stehen scheint, sollten die Getränke lieber lauwarm sein und keinen Zucker enthalten. Beim Schwitzen verlieren wir Mineralien und deshalb ist Salz gut.  mehr...

Doc Fischer SWR Fernsehen

Klimawandel Wetterextreme werden durch Klimawandel wahrscheinlicher

Überschwemmungen, Starkregen, Dürre, Tornados - extreme Wetterlagen werden durch den Klimawandel forciert.  mehr...

STAND
INTERVIEW
Stefan Eich
ONLINEFASSUNG
Felix Kästner