Bewegung hat ihre Wurzeln in den USA

Aktion "One Billion Rising": Auch in Tübingen tanzen Aktivistinnen gegen Gewalt an Frauen

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Aktivistinnen und Aktivisten wollen in Tübingen auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen. Dafür wurde gezielt der Valentinstag gewählt, erklärt ihre Sprecherin Mirjam Brinkmann.

SWR: Frau Brinkmann, Sie gehören zum Organisationsteam in Tübingen. Wie läuft die Aktion dort genau ab?

Mirjam Brinkmann: Wir treffen uns am Montag um 17 Uhr am Zinsereck in der Karlstraße. Dort werden wir dann das erste Mal tanzen. Dann läuft der Demozug durch die Stadt, wo wir auch währenddessen immer wieder tanzen. Unsere Abschlusskundgebung ist am Platz vor der alten Burse. Dort gibt es dann Live-Musik. Wir haben eine T-Shirt-Aktion vorbereitet, wo Frauen dann ihre eigenen "One Billion Rising"-T-Shirts gestalten können. Wir haben Buttons und Bändel vorbereitet, die die Frauen gegen eine Spende bekommen können, damit wir einfach in der Stadt auffallen.

"One Billion Rising" Tanzaktion (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/Markus Scholz (Symbolbild))
Auch in anderen großen Städten macht "One Billion Rising" seit Jahren durch Tanzen auf sich aufmerksam - wie hier in Hamburg (Archivbild). picture alliance/dpa/Markus Scholz (Symbolbild)

Wie Sie schon sagten, geht es ums Tanzen. Auf welche Musik wird da getanzt und was genau wird da gemacht?

Durch Tanzen zeigen Frauen ihre Stärke. Wir treten der Gewalt mit etwas Positivem entgegen und entheben uns so aus der Opferrolle. Wir hatten in Tübingen in den letzten Wochen immer wieder Tanzproben organisiert. Wir tanzen einen Tanz, der aus den USA kommt, der heißt "Break the chain", also "Sprengt die Ketten". Wir versuchen, durch unsere Aktionen die Ketten der Gewalt, die Ketten des Patriarchats zu sprengen. Wir sind laut, wir sind auffällig, und wir zeigen der Welt durch Tanz, dass wir genug von der Gewalt haben. Und heute, am 14. Februar, wird weltweit in über 200 Ländern getanzt, es ist die weltweit größte Kampagne gegen Gewalt an Frauen und Mädchen. Und das Besondere daran ist, dass es eben eine Tanzdemo ist.

Welche konkreten Forderungen werden denn damit verknüpft? Wie wird das Ganze im Prinzip in die Zukunft weitergeführt?

"One Billion Rising" wird es hoffentlich noch viele, viele Jahre geben. Unser Anliegen ist es, auf das System aufmerksam zu machen, in dem wir leben, das Gewalt an Frauen erst begünstigt. Denn Gewalt beginnt da, wo strukturelle Benachteiligung einem Geschlecht weniger Wert gibt. Und Frauen erleben Gewalt aufgrund ihres Geschlechts, also allein durch die Tatsache, dass sie Frauen sind, erleben sie Gewalt: Sie müssen sich überlegen, was sie anziehen, ob sie abends alleine auf die Straße gehen, welche Straßen sie durchqueren, ob sie auf Reisen sicher sind, wie viel Alkohol sie trinken. Und da beginnt Gewalt, aber nicht nur da: Eine von drei Frauen erlebt in ihrem Leben Vergewaltigung, schwere Körperverletzung oder Femizid, und das auch bei uns in Deutschland und auch bei uns in Tübingen. Und wir fordern die Anerkennung als das, was es ist, nämlich strukturelle Gewalt allein aufgrund des Geschlechts und (fordern) natürlich auch eine entsprechende Gesetzgebung dagegen. Die Gewalt muss aufhören, und die Gewalt muss enttabuisiert werden. Denn Frauen können nichts dafür, wenn ihnen diese strukturelle Gewalt angetan wird.

Warum die Aktionen bewusst am Valentinstag?

Die Gründerin dieser Aktion, Eve Ensler, Künstlerin und Feministin aus New York, hat diese Kampagne bewusst auf diesen Tag gelegt, um eben zu zeigen, dass nicht alle Beziehungen liebevoll sind, dass Gewalt in vielen, vielen Beziehungen eine große Rolle spielt. Und deswegen finde ich den heutigen Tag sehr passend.

Wieviel Frauen erwarten Sie in Tübingen zum Tanz-Flashmob?

Schwer zu sagen. In den letzten Jahren waren es immer bis zu tausend Frauen, die gekommen sind. Wir hoffen, dass Corona uns keinen Strich durch die Rechnung macht und erwarten aber mindestens auch Teilnehmer*innen im dreistelligen Bereich.

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