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Die USA wollen Firmen rund um den Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 sanktionieren. Das ist gerechtfertigt, sagt eine Wirtschaftsexpertin - sie hat allerdings andere Gründe als die USA.

Seltene Einigkeit im US-Repräsentantenhaus: Demokraten und Republikaner haben Sanktionen gegen Firmen beschlossen, die am Bau der Pipeline Nord Stream 2 beteiligt sind. Über die Pipeline soll russisches Gas durch die Ostsee nach Deutschland geleitet werden. Aus US-Sicht macht sich die EU damit abhängig von Russland. Es gilt als sicher, dass der Senat in Washington den Strafmaßnahmen zustimmt. Und zweifellos wird am Ende US-Präsident Donald Trump unterschreiben.

"Das ist eine Fehlinvestition, die wir teuer bezahlen werden"

Claudia Kemfert, Abteilungsleiterin Energie, Verkehr, Umwelt beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung

Claudia Kempfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung hält die US-Kritik an der Nord Stream Pipeline für gerechtfertigt, allerdings aus anderen Gründen, als die Vereinigten Staaten. Im Interview mit SWR Aktuell bezeichnet sie das 9,5 Milliarden Euro teure Projekt als energiewirtschaftlich nutzlos und obendrein noch schädlich für die Klimaziele. Sie hätte es besser gefunden, wenn stattdessen Flüssiggasterminals gebaut worden wären, wie es einige Staaten Südeuropas täten. Stattdessen binde man sich für Jahrzehnte und investiere obendrein in fossile Energie, statt die erneuerbaren Energien auszubauen.

Allerdings gehe es auch den USA weniger um die Unabhängigkeit von Russland und vielmehr um den Verkauf ihres eigenen Flüssiggases: "Amerika hat nicht das Wohl Europas im Blick, sondern nur seine eigenen Interessen."

Viel Lärm um nichts

Claudia Kemfert geht nicht davon aus, dass die geplanten Sanktion der USA die Pipeline auf den letzten Metern stoppen könnten. Dafür sei der Bau längst zu weit vorangeschritten. Trotz der Kritik von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am Verhalten Washingtons entstehe viel Lärm um nichts. Bis US-Präsident Trump die Sanktionen genehmigt habe, sei Nord Stream 2 voraussichtlich fertiggestellt. Man müsse sich aber fragen, wie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ihren Green New Deal, das Ziel eines klimaneutralen Europas bis 2050 erreichen wolle, wenn man sich solche Fehlinvestitionen leiste und die fossile Erdgasinfrastruktur ausbaue.

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