Neues Zuhause auf Zeit: Wie kann ich Ukraine-Flüchtlingen ein Zimmer anbieten?

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AUTOR/IN
Jonathan Hadem

Wegen des Krieges in der Ukraine sind Hundertausende Flüchtlinge unterwegs. Viele von ihnen werden in den nächsten Tagen und Wochen in Deutschland eintreffen. Die Bundesländer und Kommunen stellen sich darauf ein, suchen nach Unterkünften. Eine Möglichkeit ist, dass Menschen bei uns sagen, "ich habe eine Einliegerwohnung oder ein Zimmer in meinem Haus frei, da können Flüchtlinge aus der Ukraine erst mal unterkommen." Das Netzwerk elinor.network. vermittelt private Unterkünfte. Wie genau, das erklärt Geschäftsführer Lukas Kunert im Gespräch mit SWR-Aktuell-Moderator Jonathan Hadem.

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Größe der Unterkunft ist egal

SWR: Wenn ich kurzfristig Flüchtlinge aus der Ukraine aufnehmen möchte, was für eine Unterkunft sollte ich denn da anbieten können?

Lukas Kunert: Es ist völlig gleich, ob sie eine Unterkunft haben, die ein schönes Sofa, einen kleinen eigenen Platz für eine Person haben, oder eine Wohnung, die gerade nicht vermietet ist. Ich glaube, wir brauchen hier Unterstützung von der gesamten breiten Zivilbevölkerung und hier sollte jeder das zur Verfügung stellen können, was er oder sie zur Verfügung stellen kann. Hier kommt es wirklich nicht darauf an, wie groß oder wie klein, sondern mit welchem Gestus.

Viele dieser Menschen sind ja wirklich Hals-über-Kopf geflohen und haben oft nichts dabei - oder nur sehr wenig. Sollte ich mich denn darauf einstellen, dass ich auch Essen, Kleider, Bettwäsche, Geschirr und so weiter zur Verfügung stellen muss oder kriegen die Menschen das auf anderem Wege?

Hier sind wir im Austausch mit ganz, ganz vielen tollen zivilgesellschaftlichen Organisationen, Projekten, Einzelpersonen. Da gibt es natürlich die Möglichkeiten - und es ist großartig, wenn Sie auf dieser Ebene etwas zur Verfügung stellen können. Aber es gibt auch andere Kanäle, über die das organisiert werden kann.

"Es kommt darauf an, kurzfristig menschliche Begegnung und Geborgensein zu ermöglichen"

Jetzt weiß ja zurzeit keiner, wie lang dieser Krieg dauern wird. Es ist also nicht klar, wie lange die Menschen dann ein Zimmer oder eine Wohnung brauchen. Muss ich mich denn auf jeden Fall darauf einstellen, dass die Menschen dort länger wohnen, oder reicht es, wenn ich erst mal zwei bis drei Wochen anbiete?

Hier ist es ziemlich deutlich, dass dieser Prozess länger dauern wird. Es wird hier darauf ankommen, als Zivilgesellschaft Strukturen und Formen zu schaffen, die langfristig tragen und funktionieren. Jetzt kommt es aber darauf an, kurzfristig menschliche Begegnung und menschliches Geborgensein zu ermöglichen. Da hilft es auch, wenn Sie sagen, ´"ich kann mir das für zwei Wochen, ich kann mir das für vier Wochen vorstellen, und danach ist es für mich aber auch so, dass ich diesen Platz zurück brauche." Dann ist das völlig in Ordnung, und dann versuchen wir mit unseren Ressourcen eine nächste Unterbringung zu organisieren und stehen Ihnen da zur Seite.

Gemeinsame Sprache hilft, es geht aber auch anders

Sie haben die persönliche Beziehung jetzt schon angesprochen. Da ist es ja auch häufig schwierig, wenn man nicht die gleiche Sprache spricht. Wenn ich jetzt Menschen aus der Ukraine eine Unterkunft zur Verfügung stelle, sollte ich da Ukrainisch können oder können die Menschen aus der Ukraine auch Englisch?

Hier ist es natürlich von sehr großem Vorteil, wenn wir eine Sprache teilen. Das versuchen wir auch gerade durch unsere Technologie umzusetzen, Matchings zu erzeugen, dass es gemeinsame Sprachen gibt, ob das Englisch ist, ob das Russisch ist, ob das Ukrainisch ist, das ist von großem Vorteil. Aber ich bin viel gereist, kenne es auch, dass, wenn sich beide Seiten bemühen, miteinander zu kommunizieren, dann braucht man nicht zwangsläufig dieselbe Sprache. Es ist natürlich von großem Vorteil.

"Völlig überwältigt von der riesigen Resonanz"

Gibt es denn schon viele Privatleute, die sich bei Ihnen gemeldet haben und helfen wollen oder ist es noch etwas zögerlich?

Wir sind völlig überwältigt von dieser riesigen Resonanz. Wir erleben es gerade als eine wirklich neue Bewegung der Zivilgesellschaft, die sich dieser Herausforderung stellen möchte, und die damit sehr viel Kraft und sehr viel guten Willen dran ist, hier dieser Herausforderung zu begegnen.

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Jonathan Hadem