STAND
AUTOR/IN

Im Südwesten starten bald die Sommerferien. In Rheinland-Pfalz geht es am 19. Juli los - in Baden-Württemberg am 29. Juli. Wer am Urlaubsort ein Auto mieten möchte, muss sich auf höhere Preise einstellen.

Audio herunterladen (4,1 MB | MP3)

Andreas Herrler, SWR Aktuell: Wie hoch sind die Preise aktuell in den verschiedenen Urlaubsländern?

Jutta Kaiser, SWR-Wirtschaftsredaktion: Das Vergleichsportal "Check24" hat vor Kurzem die Preise verglichen. Dabei kam heraus, dass vor allem auf den beliebten Urlaubsinseln Mietwagen deutlich mehr kosten. Auf Mallorca oder Ibiza sei es dreimal zu teuer, ein Auto zu mieten wie im Sommer 2019 - also vor der Corona-Pandemie. Auf Sizilien hätten sich die Preise verdoppelt und auf Kreta seien sie immerhin um ein Drittel gestiegen. Aber auch auf dem Festland sind Mietwagen gerade ziemlich teuer. Für Spanien hat "Check24" zweieinhalbmal höhere Preise festgestellt, nicht ganz so viel mehr sei es in Italien. In Portugal, Frankreich und Kroatien kosteten Mietwagen etwa die Hälfte mehr, verglichen mit dem Sommer vor Beginn der Corona-Pandemie.

Wieso gibt es so große Unterschiede?

Das liegt zum einen daran, wie groß das Angebot und die Nachfrage in den jeweiligen Ländern sind. Dazu kommen die wirtschaftlichen Bedingungen vor Ort, also zum Beispiel, wie ein Anbieter neu gekaufte Autos versteuern muss und welche Lohn- und Betriebskosten er hat, um die Mietwagenstationen zu betreiben. Es kommt auch auf die Fahrzeugklasse an. In Spanien reicht oft ein Kleinwagen, um tageweise vom Hotel aus die Gegend zu erkunden. In den USA sieht das anders aus. Da machen viele Urlauber Rundreisen, teils mit viel Gepäck quer durchs Land. Da sind Geländewagen und große Limousinen sehr beliebt. Das zeigt sich dann auch an den Durchschnittspreisen für die Miete.

Warum sind die Preise allgemein so hoch?

Die Corona Pandemie wirkt sich an ganz verschiedenen Stellen aus. Sie hat den Tourismus extrem einbrechen lassen. Das hat dann dazu geführt, dass viele Mietwagenanbieter große Teile ihrer Fuhrparks verkauft haben. Einige haben sich von bis zu zwei Drittel der Autos getrennt. Dann wusste lange niemand, wie sich die Pandemie weiterentwickeln wird. Deshalb haben manche Anbieter in diesem Jahr auch kaum neue Autos dazu gekauft. Es gibt also zu wenig Mietwagen.
Aber selbst wer Neuwagen bestellt hat, wird teilweise ausgebremst. Die Autohersteller bekommen wegen der Coronakrise nicht genügend Computerchips, um schnell Autos bauen und liefern zu können.
Was die Inseln angeht, da müssen neu produzierte Autos vom Festland erst einmal hingebracht werden. Das funktioniert über Fähren. Die waren aber lange gar nicht in Betrieb. Jetzt läuft der Verkehr zwar größtenteils wieder, aber der Platz ist auch begrenzt. Es kommen also viele Faktoren zusammen, die für teurere Mietwagen sorgen.

Das alles lässt sich wahrscheinlich nicht so schnell beheben. Ist zu befürchten, dass die Preise noch weiter steigen?

Das lässt sich schwer vorhersagen und hängt auch von der Corona-Lage ab. Aber es ist schon möglich, dass die Preise noch weiter steigen werden. Zumindest hält dieses hohe Niveau voraussichtlich bis zum Ende der Hauptreisezeit, also bis September, an. Das liegt daran, dass viele Menschen nach den Corona-Strapazen einen schönen Sommerurlaub erleben wollen. Sie buchen eher kurzfristig und sind auch bereit, mehr Geld auszugeben. Auf dem Festland und in der Mitte Europas, wo viele mit dem eigenen Wagen hinkommen, ist die Situation aber entspannter, als in Randgebieten und auf den Inseln.

Haben Sie Spartipps, dass ich besonders früh buche und vielleicht auch schon von Deutschland aus?

Die Anbieter raten auf jeden Fall dazu, so früh wie möglich zu buchen und eben auch von Deutschland aus. Einige werben damit, sie hätten Stornomöglichkeiten bis 24 Stunden vor dem geplanten Abholtag. Außerdem ist es in der Regel auch 25 bis 30 Prozent günstiger, wenn man den Wagen direkt am Flughafen abholt anstatt am Ferienort. Denn am Airport sind mehr Anbieter vertreten - es herrscht deshalb größere Konkurrenz.
Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg rät, auch bei den Mietwagenanbietern direkt zu buchen und nicht bei Vermittlungsportalen. Man sollte auf jeden Fall Preise und Leistungen vergleichen und nicht im Voraus bezahlen, falls wieder eine Reisewarnung kommt. Dann hat man zumindest kein Risiko, dass man später dem Geld hinterherlaufen muss.
Wem ein Mietwagen momentan generell zu teuer ist, könnte natürlich auch auf öffentliche Bus- und Zugverbindungen zurückgreifen. Entsprechende Möglichkeiten sollte man aber schon bei der Reiseplanung checken, damit nicht im Urlaub die ganze Familie unfreiwillig im Hotel hockt, obwohl man das Land erkunden wollte.

STAND
AUTOR/IN