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Die Hochwasserkatastrophe bringt die Menschen in den betroffenen Gebieten an ihre Grenzen. Besonders dramatisch ist die Lage für Kinder. Deren Leben war monatelang durch die Corona-Maßnahmen eingeschränkt. Jetzt haben sie eine Katastrophe erlebt und stehen möglicherweise mit ihren Familien vor dem Nichts. Der Arzt Gerhard Trabert aus Mainz hilft seit Jahren immer wieder in Katastrophengebieten. Mit seinem Arztmobil, mit dem er in normalen Zeiten Obdachlose behandelt, ist er in diesen Tagen in den Flutgebieten unterwegs. "Die Kinder haben vieles miterlebt", sagte er in SWR Aktuell. "Eine ältere Dame sagte mir, dass ihr sechsjähriges Enkelkind einen Toten im Garten gefunden hat." Die Kinder bekämen auch mit, was die Katastrophe mit den Eltern und den Verwandten mache. Trabert appelliert an die Erwachsenen, "auch auf nahestehende Menschen, wie Verwandte oder Paten zurückzugreifen" - und nicht zu glauben, dass man als Familie alles allein schaffen müsse.

Kinder ernst nehmen

"Wir Erwachsenen glauben häufig, wir könnten Kinder schützen, indem wir schwierige Themen aussparen, in der Kommunikation mit den Kindern. Das ist die falsche Strategie. Kinder bekommen alles mit. Kinder möchten ernst genommen und kindgerecht informiert werden“, so der Arzt aus Mainz. Das Fernhalten von schwierigen Themen sei fatal.

Ein junges Mädchen hält sich die Hände vor ihr Gesicht.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Nicolas Armer)
Ein junges Mädchen hält sich die Hände vor ihr Gesicht. picture alliance / dpa | Nicolas Armer

Offen mit Kindern reden

Erwachsene müssten sich immer wieder bewusst sein, dass Kinder häufig glaubten, irgendwie an Ereignissen beteiligt zu sein. "Kinder haben bestimmte Schuld-Fantasien. Sie glauben dann, mit irgendeinem Gedanken, mit irgendeinem Verhalten vielleicht etwas mitbewirkt zu haben. Das können wir nur ausschließen und damit die Kinder entlasten, indem wir offen mit ihnen über diese Katastrophe reden - ebenso über Tod und Sterben, sowie über die Trauer und die Angst von uns Erwachsenen."

Konzepte für nach den Schulferien gefordert

Nach Ansicht von Trabert müssen für die Kindergärten und Schulen in den betroffenen Regionen schon jetzt Konzepte mit Trauma-Pädagogen entwickelt werden, um klar zu stellen, wie es in ein paar Wochen weitergeht. "Wir brauchen Freizeiten und erlebnis-pädagogische Maßnahmen, bei denen unter fachlicher Begleitung auch diese Themen und Ängste besprochen werden."

Tränen kein Zeichen von Schwäche

Gerhard Traberts Appell an Eltern: "Es schadet überhaupt nicht, auch vor den Kindern zu weinen. Das ist kein Zeichen von Schwäche. Emotionalität und Trauer zu vermitteln und dann auch zu erklären, ist etwas Befreiendes."

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