Neue Zeiten für die SPD

Neuer SPD-Chef Klingbeil: Mehr Rockstars in die SPD

STAND
AUTOR/IN

Nach dem Wahlsieg ist vor dem Wahlsieg: Der neue SPD-Chef Lars Klingbeil hat Zukunftspläne für seine Partei. Die Künstler und Kreativen sollen in ihr wieder eine Heimat finden. Sein Hauptthema: der Wandel der Gesellschaft und ein moderner Politikstil.

Audio herunterladen (12,1 MB | MP3)

In den letzten Tagen war Lars Klingbeil viel auf Twitter unterwegs. In eigener Sache. Er rief dazu auf, ihm gute Zitate der Indie-Rockband "Kettcar" zu schicken, damit er sie in seine Bewerbungsrede als Parteichef einflechten kann. Das hat Tradition. Lars Klingbeil ist selbst Musiker. Seit er Generalsekretär ist, findet man in seinem Umfeld auch wieder mehr Künstler auf SPD-Events. Für Klingbeil ist das "wahnsinnig wichtig". Die SPD sei immer noch mal stärker gewesen, wenn sie Kreative und Intellektuelle um sich herum hatte: "Ich bin jemand, der sich für Menschen interessiert, die kreativ sind, als Musiker, Künstler, Literaten. Ich habe ein ernsthaftes Interesse, was diese Menschen umtreibt, wie sie in der Gesellschaft wirken wollen". Die SPD sei dann stark, wenn sie das Bündnis zu den Kreativen habe.

"Ich kann Vision"

In den letzten vier Jahren als Generalsekretär musste Klingbeil überwiegend organisieren, die Parteizentrale neu aufstellen, den Wahlkampf für Olaf Scholz organisieren. "Ich will ein bisschen rauskommen aus dem Hamsterrad des organisatorischen", freut sich Klingbeil auf seinen neuen Job: "Ich bin ja in der Politik, weil ich das Land gestalten will", sagt er im SWR-Interview der Woche. Hauptthema für ihn ist dabei der Wandel der Gesellschaft, die Transformation, die große Auswirkungen haben wird auf den Sozialstaat, auf das Bildungssystem, auf die Verteilungsfragen. Da möchte Klingbeil neue Konzepte erarbeiten. Und er versteht die Zukunft durchaus als langfristiges Projekt: "Erst einmal habe ich Interesse daran, ein bisschen länger Parteichef zu sein und das Amt und die Partei auch zu prägen".

Lampenfieber

Ein bisschen Bammel vor dem Amt des SPD-Chefs hat er aber schon: "Ich habe einen Heidenrespekt und weiß in welche Fußstapfen ich trete. Ich muss mir nur die Ahnengalerie angucken, Willy Brandt und Gerhard Schröder, Franz Müntefering und Kurt Schumacher, das sind Leute, die ich teilweise aus dem Geschichtsunterricht kenne". Jetzt wird er der jüngste Parteichef, den die SPD je hatte- und schließt nicht aus, dass er selbst mal im Geschichtsunterricht landet.

Lars und Kevin: Echte Freunde können auch streiten

An seiner Seite der neue Generalsekretär Kevin Kühnert. Beide kommen aus unterschiedlichen Lagern und sind kontrovers gestartet: Kühnert wetterte mit seinen Jusos gegen die Groko- SPD-Generalsekretär Klingbeil sollte dagegen die Groko zusammenhalten. Trotzdem sind beide Freunde geworden- und arbeiten seit zwei Jahren im Willy-Brandt-Haus nur wenige Türen voneinander entfernt zusammen. Jetzt fragen sich natürlich viele: Hat Kühnert die Sprengkraft, mit den 49 Jusos, die frisch in den Bundestag gewählt wurden, dem neuen Kanzler Olaf Scholz Probleme zu bereiten, wenn linke SPD-Positionen übergangen werden? Der neue SPD-Chef Klingbeil sieht das gelassen. "Der kann Kampagnen organisieren, das habe ich am eigenen Leib erfahren. Aber der Generalsekretär ist derjenige, der den Laden zusammenhält, das Zentrum der Partei". Das sei Kühnerts Aufgabe. Kühnert werde dafür sorgen, dass alle Akteure -Fraktion, Regierung, Partei - gut zusammenhalten. Außerdem werde Kühnert direkt schon an der nächsten Wahlkampagne arbeiten.

Lars Klingbeil (SPD) und SWR-Korrespondentin Evi Seibert im ARD-Hauptstadtstudio. (Foto: SWR)
Lars Klingbeil und Evi Seibert im ARD-Hauptstadtstudio.
STAND
AUTOR/IN