Kujat: Erdogans Bedenken zu NATO-Beitritt von Finnland und Schweden sind vorgeschoben

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Stefan Eich

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Harald Kujat, General a.D. und ehemaliger Vorsitzender des NATO-Militärausschusses, bezeichnet die Haltung der Türkei zum geplanten NATO-Beitritt Finnlands und Schwedens als "Schaukelpolitik". Im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Stefan Eich sagte Kujat: "Im Grunde geht es darum, dass die Türkei ihre Schaukelpolitik zwischen der NATO und Russland fortsetzen möchte. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan weiß, dass seine Zustimmung zu einem NATO-Beitritt beider Länder in Moskau nicht gut ankommen würde. Es hätte natürlich Einfluss auf seine potentielle Zusammenarbeit mit Russland."

Erdogan ist gegen einen NATO-Beitritt von Finnland und Schweden. Er bezeichnete sie als "Gasthäuser für Terrororganisationen" - unter anderem, weil sie Erdogans Ansicht nach zu lasch gegen die verbotene kurdische PKK vorgehen.

Alle NATO-Staaten müssen neues Mitglied "einladen"

Der ehemalige General hält dies zwar für ein "vorgeschobenes Argument". Tatsächlich sei es aber so, "dass alle NATO-Staaten ein neues Mitglied zum Beitritt einladen müssen. Falls Erdogan das nicht macht, kann eine Mitgliedschaft von Finnland und Schweden nicht erfolgen." Kujat geht allerdings davon aus, dass die übrigen NATO-Mitgliedstaaten, vor allem die Vereinigten Staaten Erdogan bewegen werden, sein Veto aufzugeben.

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Stefan Eich