STAND
AUTOR/IN

Die Extremhitze im Westen der USA und Kanada wäre ohne den Klimawandel fast unmöglich gewesen - das hat eine aktuelle Studie ergeben. Internationale Forscher fanden heraus, dass die durch Treibhausgase verursachte Erderwärmung diese Hitzewelle 150 Mal wahrscheinlicher gemacht hat. Die Forscher warnen: Selbst wenn es uns gelingen würde, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, müssten wir in Zukunft etwa alle fünf bis zehn Jahre mit einer solchen Hitzewelle rechnen - statt wie bisher alle tausend Jahre.

Audio herunterladen (3,6 MB | MP3)

Darüber, was ein häufigeres Auftreten von Hitzewellen für uns in Deutschland bedeuten könnte, hat SWR Aktuell-Moderator Bernhard Seiler mit der Klimaforscherin Friederike Otto gesprochen. Sie ist stellvertretende Direktorin des Environmental Change Institute der University of Oxford.

Die Klimaforscherin Friederike Otto im Porträt. (Foto: SWR)
Die Klimaforscherin Friederike Otto.

SWR Aktuell: Was könnte denn da auf uns zukommen?

Friederike Otto: Ich denke, wir müssen das Ereignis in Kanada als ganz, ganz starke Warnung verstehen. Wenn Sie mich im Mai gefragt hätten: Werden wir im Juni 50 Grad in Kanada messen, hätte ich gesagt, das ist so unwahrscheinlich - sicher nicht. Mit solchen Überraschungen müssen wir auch in Deutschland ganz klar rechnen. 50 Grad in Deutschland - das ist nichts, was nicht in den nächsten Jahren passieren kann.

Inwieweit können wir denn jetzt noch etwas tun, wenn der Klimawandel ja offenbar wirklich schon da ist und seine Wirkung zeigt?

Fast alle Hitzetoten sind vermeidbar. Wir wissen ganz genau, wie man die Körpertemperatur niedrig halten kann. Aber wir müssen die Bevölkerung darüber in Kenntnis setzen und die Leute daran erinnern, dass sie genug Wasser trinken und Kühlräume bereitstellen. Mittelfristig müssen wir unsere Städte so ändern, dass es deutlich mehr Grünflächen gibt und natürlich müssen wir so schnell wie möglich aufhören, fossile Brennstoffe zu verbrennen. Denn wir sehen jetzt schon bei 1,2 Grad globaler Erwärmung, wie sehr der Klimawandel unseren Alltag beeinflusst.

Das heißt, wir müssen auf der einen Seite schauen, wie wir mit den jetzt schon spürbaren Folgen umgehen - aber auf der anderen Seite auch, wie wir die Folgen durch weitere Klimaschutz-Maßnahmen noch möglichst eindämmen?

Dürre in Chile: Ein Tierkadaver liegt am Straßenrand (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/ZUMA Wire | Matias Basualdo)
Dürre in Chile: Ein Tierkadaver liegt am Straßenrand picture alliance/dpa/ZUMA Wire | Matias Basualdo

Wir haben in unserer Studie auch geguckt, wie würde sich ein solches Ereignis in einer Zwei-Grad-Welt, also 0,8 Grad wärmer als jetzt, ereignen. Hitzewellen, die zurzeit ungefähr eine Wahrscheinlichkeit von alle tausend Jahre haben, wären dann alle fünf bis zehn Jahre zu erwarten.

Das heißt: wir haben nur noch die Wahl zwischen einem schlimmen oder einem sehr schlimmen Szenario?

Wir haben auf alle Fälle die Wahl. Aber je später wir es machen, desto dramatischer sind die Folgen und desto mehr Menschen verlieren ihr Leben auf dem Weg dahin. Desto schwieriger wird es auch, sich an die Folgen anzupassen.

STAND
AUTOR/IN