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Nach der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands wird eine Frage immer lauter: hätte man die Menschen früher und besser vor dem Hochwasser warnen können? Andreas Fink ist Professor am Institut für Meteorologie und Klimaforschung am Karlsruher Institut für Technologie, KIT. Er sagt, wie viele Tage oder Stunden man ein Unwetter vorhersagen kann, hänge von der Wetterlage ab. "Wenn es ein isoliertes sommerliches Gewitter ist, dann reden wir von einer Warn-Zeit von wenigen Stunden. Im Fall der Hochwasserkatastrophe gab es jedoch schon drei Tage vorher Anzeichen für eine Unwetterlage." Das Problem bei der Warnung sei, dass alle sechs Stunden neue Vorhersagen berechnet würden, die sich in den am schlimmsten betroffenen Gebieten stark veränderten. "Die Regenmengen, die nieder kommen, reichen dann häufig von 'zwanzig Millimetern' bis zu 'Unwetter'. Auf dieser Basis muss man entscheiden und Warnungen herausgeben."
Die Warnhoheit in Deutschland hat der Deutsche Wetterdienst (DWD). "Er gibt Warnungen vor einem extremen Unwetter, auch über die DWD-Warn-App an Bürger, Feuerwehren, Polizei und das Technische Hilfswerk", so Fink. Diese Warnungen seien allerdings oft sehr standardisiert. "Individuell zu sagen, dass ein Ort oder Ortsteil extrem stark betroffen sein wird, ist nicht immer ganz klar und eindeutig ersichtlich."
Um ein ganzes Dorf evakuieren zu können, müsse aus 50 Wettervorhersagemodellen und den erwartbaren Schäden entschieden werden. Das letzte Wort hätten die Entscheidungsträger vor Ort: "Wenn das (Unwetter-) Ereignis unwahrscheinlich ist, die Schäden aber immens wären, dann sollte man evakuieren." Darüber müsse nach dieser Hochwasserkatastrophe nochmal gesprochen werden. "Allerdings müssen sich die Bürger dann auch darauf einstellen, dass es zu Evakuierungen kommt, wo nichts passiert." Eine punktgenaue Vorhersage gebe es nicht. Das könne sich aber mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz in den kommenden vier bis fünf Jahren verbessern, sagte Fink im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Stefan Eich.

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