Hohe Infektionszahlen auch im Sommer

Immunologin: Corona-Herbstwelle könnte gebrochen werden

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Stefan Eich

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Inzidenzen weit jenseits der 600: Die Corona-Zahlen sind in diesem Sommer deutlich höher als im vergangenen Jahr - und das, obwohl die Impfquote höher ist. Warum das so ist, erklärt die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Professorin Christine Falk: "Zum einen sind viele Schutzmaßnahmen wie die Maskenpflicht weggefallen und es gibt wieder viele Großveranstaltungen. Hinzu kommt, dass nun die Corona-Variante BA.5 vorherrschend ist. Die Corona-Impfung schützt bei dieser leicht veränderten Variante nicht mehr so gut gegen Ansteckungen", sagte Falk dem SWR. "Die Impfung wirkt nach wie vor gegen schwere Verläufe, aber viele Menschen nah beieinander – das spielt dem Virus natürlich in die Hände."

Kombination aus Impfung und Infektion steigert Grundimmunität

Die hohen Infektionszahlen haben aus Sicht der Immunologin einen großen Vorteil: "Wir konnten messen, dass eine dreifache Impfung und eine anschließende Corona-Infektion zu einer noch besseren Immunreaktion führt." Falk betonte, dass die dritte Impfung eine ganz entscheidende Schutzwirkung vor schweren Verläufen und Krankenhaus-Aufenthalten habe - und zwar in allen Altersgruppen. Das zeige auch der neueste Impfbericht des Robert-Koch-Instituts. "Diejenigen, die noch keine Drittimpfung haben und sich noch nicht angesteckt haben, sollten schleunigst die Auffrischimpfung machen", appellierte Falk.

Schon am Ende der kostenlosen Schnelltests hatten Testzentren vor steigenden Infektionszahlen gewarnt. Viele Menschen ließen sich jetzt nicht ohne Anlass testen, sagte der Betreiber mehrere Testzentren in Baden-Württemberg, Peter Kaiser, dem SWR.

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Herbstwelle könnte milder ausfallen – je nach Virusvarianten

Mit Blick auf die oft befürchtete Corona-Herbstwelle machte Falk vorsichtig Hoffnung: "Durch die vielen Infektionen und die steigende Quote der dreifach Geimpften bauen wir bereits jetzt in der Bevölkerung eine immer bessere Grundimmunität auf." Diese trage aber nur dann gut durch den Corona-Herbst, solange es bei den Omikronvarianten bleibe. In diesem Zusammenhang sieht Falk eine Gefahr: "Durch die vielen Sommerurlauber besteht natürlich das Risiko, dass andere Corona-Varianten aus Urlaubsregionen eingeschleppt werden. Dann sieht die Lage wieder ganz anders aus."

Maske ist nach wie vor einfachste Schutzmaßnahme im Alltag

Menschen, die Kontakt zu Risikogruppen haben, riet Falk zum Tragen einer Schutzmaske. "Die Masken sind immer noch der einfachste und niedrigschwelligste Weg, um andere vor einer Ansteckung zu schützen", so die Immunologin. Besonders ältere Mitmenschen sollten dabei berücksichtigt werden - sie seien besonders gefährdet und für sie sei es nicht immer so einfach, sich zu schützen.

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Stefan Eich