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Als erste Messe in Baden-Württemberg öffnet am heutigen Donnerstag um 10:00 Uhr die Internationale Bodensee-Messe (IBO) in Friedrichshafen ihre Tore für Besucher. Eine Testpflicht besteht für die Gäste nach Angaben der Veranstalter nicht. Allerdings müssen sich die Besucher vorab online registrieren und auf dem Gelände eine Maske tragen. Pro Tag dürfen demnach höchstens 9.500 Menschen die Verbrauchermesse besuchen, auf der 260 Aussteller vertreten sind.

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Über den Neustart des Messebetriebs in der Corona-Pandemie hat SWR Aktuell-Moderator Andreas Herrler mit Jörn Holtmeier, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Messewirtschaft (AUMA) gesprochen.

SWR Aktuell: Geht es also jetzt wieder richtig los nach der Pandemie?

Jörn Holtmeier: Es ist gut, dass es jetzt wieder losgeht. Wir hatten viele Monate, in denen wir pandemiebedingt keine Messen durchführen konnten. Jetzt beginnen die ersten Messen wieder und das freut uns sehr.
Das ist natürlich auch für die Unternehmen sehr wichtig, die lange Zeit auf ihre Branchenplattformen - also auf Messen - verzichten mussten. Sie können wieder ihre Messebeteiligungen durchführen. Von daher ist es ein gutes und starkes Signal für die Region.

Jörn Holtmeier, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Messewirtschaft (AUMA) (Foto: AUMA / Michael Fahrig)
Jörn Holtmeier, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Messewirtschaft (AUMA) AUMA / Michael Fahrig

Wir haben in der Pandemie erlebt, dass vieles auch online möglich ist. Aber die richtige Messe mit Kundenkontakten - das ist dann schon etwas anderes, oder?

Ich denke, die reale Messe überzeugt dadurch, dass man sich trifft, dass man sich persönlich begegnet, dass man etwas ausprobieren kann. Man kann Produkte und Dienstleistungen erfahren oder auch schmecken und riechen. Das darf man nicht vergessen.
In anderen Bereichen hatten digitale Lösungen durchaus ihre Berechtigung, zum Beispiel um aufgrund von Reisebeschränkungen den Kontakt aufrecht zu erhalten. Aber ich glaube, die Sehnsucht sich doch wieder persönlich zu treffen, sich persönlich auszutauschen und Geschäfte zu machen, steht im Vordergrund. Das ist gerade ganz wichtig.

Die Messebranche hat es in der Corona-Pandemie besonders hart erwischt. Sie waren die Ersten, die alles absagen mussten und Sie sind unter den Letzten, die wieder anfangen dürfen. Wie hart wurde ihre Branche getroffen?

Die Branche wurde sehr, sehr hart von der Corona-Krise getroffen. Seit dem letzten März gab es einen volkswirtschaftlichen Schaden von über 40 Milliarden Euro. Denn es sind nicht nur die Messeveranstalter betroffen, sondern auch Dienstleister, Messebauer, Gastronomen und Hoteliers. Das ist einfach ein enormer volkswirtschaftlicher Schaden, den wir so seit dem Zweiten Weltkrieg noch nicht hatten. Über 70 Prozent der Messen wurden im letzten Jahr abgesagt. Das ist etwas, was es vorher noch nie gab. Das wird seine Erholungszeit brauchen.

Andreas Herrler steht im Gang eines SWR-Gebäudes.  (Foto: SWR)
SWR Aktuell Moderator Andreas Herrler

Jetzt wäre es natürlich schön, wenn es so richtig losgeht. Wie zuversichtlich sind Sie, dass tatsächlich alles wieder stattfinden kann?

Für den Moment bin ich zuversichtlich. Keiner kann in die Glaskugel schauen. Aber eins ist auch klar: wir als Messebranche haben schon im letzten September und Oktober auf 22 Messen mit 180.000 Besuchern gezeigt, dass wir auch unter Pandemie-Bedingungen Messen sicher durchführen können, dass davon kein Infektionsrisiko ausgeht. Seitdem ist viel dazugekommen. Die Impfungen werden zum Beispiel einen großen Effekt auf die Gesamtsituation in unserem Land und auch in Europa haben. Ich bin zuversichtlich, dass Vertrauen in die Hygienekonzepte vorhanden ist, die wir aufgestellt haben. Ich hoffe, dass die Politik das anerkennt und wir auch in Zukunft unsere Messen durchführen können.

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