Homeoffice in der Corona-Pandemie: DGB fordert klare Regeln zum Schutz der Beschäftigten

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Ein Viertel der Beschäftigten sieht sich trotz Corona-Maßnahmen am Arbeitsplatz nur schlecht vor einer Ansteckung geschützt. Das geht aus dem "DGB-Index Gute Arbeit 2021" hervor, den die Gewerkschaften heute vorgestellt haben. Die Alternative ist Homeoffice. Arbeiten zu Hause ist mit der Neufassung des Infektionsschutzgesetzes auch wieder gesetzlich vorgeschrieben, wenn es möglich ist.

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Über Homeoffice in der Corona-Pandemie hat SWR Aktuell-Moderator Arne Wiechern mit Lukas Bläsius, Geschäftsführer vom DGB Rheinland-Pfalz/Saarland, gesprochen.

Arne Wiechern, SWR Aktuell: Sind deutsche Unternehmen nach 20 Monaten Corona-Pandemie immer noch gegen das Arbeiten von zu Hause aus?

Lukas Bläsius: Nein. Wir stellen fest, dass immer mehr von zu Hause aus gearbeitet wird. Das hat sich während der Pandemie im letzten Jahr auch schon gezeigt, dass immer mehr Menschen von zu Hause aus arbeiten, und dass das einen deutlichen Schub erlebt hat. Wir stellen auch fest, dass sogar produktiver gearbeitet wird und das bei einer höheren Arbeitszufriedenheit. Das hört sich erst einmal nach einer "Win-Win"-Situation an.

Es geht ja auch darum, begehrte Fachkräfte zu halten, wenn die zu Hause arbeiten können. Was lassen sich die Unternehmen konkret einfallen, um den Job möglichst attraktiv zu gestalten?

Das mobile Arbeiten, oder das Homeoffice, ist ein zentrales Mittel, damit Unternehmen für Fachkräfte attraktiv sind, und um im Wettbewerb um die besten Köpfe zu bestehen. Die Frage ist dabei immer: wie wird mobiles Arbeiten gestaltet. Unser Anspruch ist, dass das über einen gesetzlichen Rahmen geregelt wird, oder über Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge. Das ist der beste Weg für Unternehmen, ein gutes mobiles Arbeiten zu erreichen.

Wenn ein Unternehmen Homeoffice nicht will. Was wird dann unternommen, damit die Mitarbeiter eben nicht ins Homeoffice wechseln können, auch wenn sie es rechtlich dürften?

Na ja, die gesetzlichen Regeln sind in der Corona-Lage ja relativ deutlich. Da ist es für die Unternehmen schwierig, Druck gegen das Homeoffice aufzubauen. Viele Beschäftigte sind informiert, dass sie möglichst zu Hause arbeiten sollten. Trotzdem kann innerbetrieblicher Druck erzeugt und Beschäftigte ins Büro oder an den Arbeitsplatz vor Ort quasi gerufen werden. Das läuft dann eher subtil. Aber das ist natürlich ein großes Problem für die Beschäftigten.

Es geht ja tatsächlich im Moment um den Infektionsschutz, und da gehört das Reduzieren von Kontakten - also Homeoffice - genauso wie das Impfen zu den zentralen Mitteln. Deswegen sind es eher die "Schwarzen Schafe" unter den Arbeitgebern, die den Druck hochhalten, dass die Beschäftigten in den Betrieb kommen, obwohl es eigentlich nicht nötig wäre.

Wir reden jetzt viel über die Vorzüge vom Homeoffice. Kann das Arbeiten zu Hause unter Umständen ein Nachteil für Arbeitnehmer sein?

Ja, absolut! Es wird zwar oft produktiver aber leider auch länger gearbeitet. Jeder Dritte arbeitet laut einer Studie im Homeoffice länger. Wir sehen das große Risiko, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben komplett verschwimmen und eine völlige Entgrenzung von Arbeit entsteht. Das ist eine große Gefahr.

Und natürlich sehen wir auch, dass der Austausch zwischen den Kolleginnen und Kollegen im Betrieb und am Arbeitsplatz durchaus richtig und sinnvoll ist. Deswegen ist es auch nicht die allerbeste Lösung zu sagen, dass man komplett ins Homeoffice geht. Es sollte immer wieder Momente geben, wo man sich am Arbeitsplatz trifft. Das stellt den Arbeitgeber vor die Herausforderung, dass trotz Homeoffice ein Arbeitsplatz vorgehalten werden muss.

Es ist nicht die Frage, ob das Arbeiten von zu Hause aus grundsätzlich möglich ist, sondern wie es gestaltet wird. Da sind wir der Meinung, dass es einen klaren Rahmen und klare Regeln geben muss. Das ist momentan an vielen Stellen noch nicht der Fall.

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