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Macht uns Corona am Ende gesünder? Klingt erstmal unlogisch, aber da ist was dran. Das zeigt der neue Gesundheitsreport des Dachverbands der Betriebskrankenkassen (BKK).

Die Zahl der Krankmeldungen in diesem Corona-Jahr lag leicht unter dem Schnitt der letzten Jahre. Zwar gab es zu Beginn der Pandemie im März einen Höchststand mit durchschnittlich 6,7 Prozent krankgemeldeten Beschäftigten pro Tag. Im Mai waren es dafür mit 3,7 Prozent so wenige wie noch nie.

Weniger Krankmeldungen trotz Corona

Insgesamt seien wir in diesem Corona Jahr "in der Tat leicht gesünder" als sonst, resümierte der BKK-Vorstandsvorsitzende Franz Knieps im SWR. Als wichtigen Grund nannte er das verstärkte Arbeiten zu Hause. Im Report gibt mehr als die Hälfte der rund 3.000 Befragten an, zumindest teilweise im Homeoffice zu arbeiten. Heißt: Sie pendeln weniger und sparen sich dadurch Stress. "Für die meisten Menschen ist das eine gute Entwicklung und entspricht ihren Bedürfnissen."

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So entsteht laut Knieps der erstmal widersprüchliche Effekt, dass bestimmte Seiten der Pandemie gut für unsere Gesundheit sind. Denn das Homeoffice erspart uns nicht nur Ärger im Stau oder wegen der verpassten Bahn, sondern erleichtert auch die Vereinbarkeit von beruflicher und sogenannter Care-Arbeit wie Kinderbetreuung oder Pflege.

Der dadurch reibungslosere Alltag wirke sich zusätzlich positiv auf die Gesundheit aus. Darum kritisiert Knieps die frühere Skepsis dem Homeoffice gegenüber: "Die Arbeitgeber haben das Potenzial des mobilen Arbeitens unzureichend ausgenutzt."

Arbeiten im Homeoffice tut der Gesundheit gut, aber nicht nur

An anderer Stelle könne die Gesundheit im Homeoffice allerdings leiden, vor allem durch den Bewegungsmangel: Der Fußweg zur Bahn, die Treppe zum Büro - alles fällt weg. Darum müsse man ganz bewusst auf genügend Bewegung achten, betont der BKK-Vorstand.  Das gleiche gelte für die drohende Entgrenzung von Arbeit und Freizeit.

"Bitte genügend Pausen machen - und nicht rund um die Uhr erreichbar sein."

Franz Knieps, Vorstandsvorsitzender des BKK-Dachverbands

Davon, dass die Pandemie unser Arbeitsleben nachhaltig verändert, gab sich Knieps überzeugt. Der BKK-Dachverband fordert deshalb "eine neue Arbeits- und Führungskultur": Damit es künftig eine gute Balance zwischen der Arbeit zu Hause und der vor Ort gebe.  

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