Gebrauchtwagen: Gute Zeiten für Verkäufer, schlechte für Käufer

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Jonathan Hadem

Einen Neuwagen zu kaufen ist gerade ziemlich schwierig. Die Autobauer bekommen zu wenige Teile, und es dauert teilweise länger als ein Jahr, bis so ein Wagen beim Kunden ist. Das hat auch Auswirkungen auf den Gebrauchtwagenmarkt.

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Wenn weniger Menschen neue Autos kaufen, dann gibt es auch insgesamt weniger Gebrauchte zu kaufen. Warum neue Verbraucherrechte die Lage noch verschärfen, erklärt Uli Holzwarth von der Zeitschrift "Auto, Motor und Sport" im Gespräch mit SWR-Aktuell-Moderator Jonathan Hadem.

SWR: Wenn ich vor ein paar Monaten einen Golf gesucht habe, dann gab es da Dutzende Angebote. Mittlerweile findet man nur noch sehr, sehr wenige. Woran genau liegt das?

Die Gründe für die Verknappung sind jetzt nicht pauschal oder einseitig zu sehen,  sondern sie sind sehr vielschichtig. Das hat schon begonnen mit dem Dieselskandal, wo in der Folge zahlreiche Umweltzonen eingerichtet wurden und Fahrzeuge vom Gebrauchtmarkt ins Ausland abgeflossen sind. Dann gibt es noch die angesprochenen Lieferprobleme bei Neufahrzeugen. Das heißt, die Fahrzeuge werden jetzt einfach länger gefahren. Wer nicht absehen kann, wann das bestellte Fahrzeug kommt, fährt eben sein bisheriges solange weiter. Dann hatten wir die Wetterextreme im vergangenen Jahr, die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und  Rheinland-Pfalz. Bei der allein sind schon nach Schätzungen rund 40- bis 50.000 Fahrzeuge zerstört worden. Es sind viele Faktoren, die dazu geführt haben, dass der Gebrauchtwagenmarkt im Moment sehr knapp ist. Und dann darf man auch nicht unterschätzen, dass viele, viele Autofahrer verunsichert sind, in welche Richtung denn die Mobilität der Zukunft gehen wird. Das heißt, Elektroautos sind jetzt für ganz viele Autokäufer noch nicht wirklich die Alternative. Und diese Verunsicherung führt natürlich auch dazu, dass sie sagen: Okay, mein Auto, das ich habe, das fährt. Und solange fahre ich jetzt erstmal weiter, bis sich das mal so richtig rauskristallisiert, in welche Richtung das geht.

Ganz grundsätzlich sind die Preise ja gestiegen. Gilt das denn auch für alle Modelle und Fabrikate?

Die Modelle, die sowieso schon immer stark nachgefragt waren, das sind natürlich vor allem die Modelle aus deutscher Produktion – oder von deutschen Herstellern, so müsste man ja genauer sagen. Die haben sich tatsächlich um etwa 20 bis 30 Prozent verteuert. Wobei es natürlich auch regionale Unterschiede gibt. Das kann man nicht so ganz pauschalisieren. Dann gibt es noch einen weiteren Preistreiber, den vielleicht jetzt noch keiner so richtig im Blick hat: Die Änderungen im Gewährleistungsrecht, die zum 01.01. in Kraft getreten sind. Da verlängert sich nämlich die Beweislastumkehr beim Gebrauchtkauf von sechs auf zwölf Monaten. Das heißt, es wird jetzt zwölf Monate lang vermutet, dass bei einem auftretenden Mangel dieser bereits bei der Übergabe bestanden hat. Und dieses erhöhte Risiko das wird der Handel über nochmals verteuerte Gebrauchtwagengarantien abzufedern versuchen. Das ist also auch ein weiterer Preistreiber, den jetzt, glaube ich, keiner so richtig auf dem Schirm hat, weil das so ein bisschen unbemerkt passiert ist.

Wenn die Preise also jetzt hoch sind, ist das dann ein guter Zeitpunkt, um ein Auto zu verkaufen?

Es wäre dann zumindest in der Theorie ein guter Zeitpunkt, wenn man kein Ersatzfahrzeug benötigt. Also wenn man sagt, okay, ich komme jetzt ein Jahr oder zwei oder vielleicht auch für immer ohne Auto aus. Dann habe ich die Chance, dass ich zumindest mal mein Auto relativ schnell wegbekomme und vielleicht auch sogar zu einem deutlich höheren Preis als vielleicht noch vor einem Jahr. Wenn man jetzt aber ein Ersatzfahrzeug braucht, egal ob neu oder als Gebrauchtfahrzeug, dann ist man mittendrin in dieser Preisspirale und ist am Ende vielleicht sogar der Dumme, weil man deutlich mehr bezahlt, als man vielleicht für so ein Ersatzfahrzeug in einem Jahr oder so bezahlen würde.

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