Gebrauchte E-Autos kaufen? Tipps vom ADAC-Experten

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Florian Rudolph

Benzin und Diesel werden teurer und teurer, gleichzeitig wächst das Angebot an Elektro- Autos. Wem so ein E-Fahrzeug neu noch zu teuer ist, der kann auch auch in diesem Segment nach einem Gebrauchtwagen Ausschau halten. Worauf muss ich beim Kauf eines gebrauchten E-Autos achten? Tipps dazu vom ADAC-Experten Matthias Vogt im Gespräch mit SWR-Aktuell-Moderator Florian Rudolph.

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SWR: Herr Voigt, worauf sollen wir achten, wenn wir ein gebrauchtes E-Auto kaufen?

Bei den gebrauchten E-Autos unterscheidet sich das gar nicht so sehr von einem anderen Fahrzeug. Letztlich ist es wichtig, sich vorher gut zu informieren. Welches E-Auto passt von den Anforderungen bezüglich Reichweite oder auch Nutzung zu meinem Einsatzprofil? Da unterstützen zum Beispiel auch Steckbriefe, die wie auch der ADAC-Seite für für die gängigsten gebrauchten E-Autos erstellt haben. Und dann ist natürlich bei einem E-Auto auch relevant, welche Ladetechnologie es hat.  Technisch gesehen sind es natürlich zum größten Teil die gleichen Dinge wie bisher:  Reifen, Bremsen, Fahrwerk, Rost, Unfallschäden, Scheckheft. Themen wie Öl und Dichtheit von Motor oder Getriebe entfallen natürlich beim E-Auto. Dafür kommen andere wie das Thema Hochvoltbatterie dazu.

Sie haben die Reichweite ja eben schon mal angesprochen. Wir wissen ja, die nimmt mit der Zeit ab. Was ist dann noch okay?

So eine Lithium-Ionen-Batterie altert mit der Nutzung, einerseits, wie häufig sie geladen wird. Und auch mit den Einsatzbedingungen hängt das ein wenig zusammen, aber auch mit dem Alter. Und generell wird so eine untere Grenze von 70 Prozent der ursprünglichen Kapazität auch in den Garantiebedingungen als noch in Ordnung angesehen. Es kann natürlich auch immer mal einen Defekt geben, so wie auch beim Verbrennungsmotor auch mal ein frühzeitiger Motorschaden eintreten kann.

Und dann wird es wahrscheinlich sehr teuer. Kann ein Laie denn bei der Probefahrt feststellen, ob das E-Auto noch in einem akzeptablen Zustand ist?

Die Reichweite eines E-Autos lässt sich natürlich nur dann so ein bisschen erfahren und bestimmen, wenn man eine längere Probefahrt machen kann und vielleicht den Akku möglichst von voll bis möglichst leer mal fahren kann. Das muss man dann mit dem Verkäufer, ob das ein Händler oder eine Privatperson ist, klären, wie ausgiebig die Probefahrt sein darf. Generell ist für Laien natürlich immer schwer, das zu beurteilen, gerade wenn man sich mit der Technik nicht auskennt. Deswegen ist zu empfehlen, wie beim normalen Autokauf, jemanden mitzunehmen, der Erfahrung mit so einem Auto hat: Einen Fachmann oder hier einen Fachmann für Elektroautos. Alternativ kann man auch eine Gebrauchtwagenuntersuchung machen lassen- zum Beispiel beim ADAC.

Wozu raten Sie: Einen gebrauchten „Stromer“ von privat kaufen oder doch besser vom Händler wegen der Garantie?

Ein Gebrauchtwagenhändler muss natürlich ein Jahr Sachmängelhaftung geben. Das schützt natürliche gegen diverse Probleme, die man dann geltend machen kann. Auf der anderen Seite haben die meisten E-Autos ja schon eine üppige Garantie, was insbesondere die Hochvoltbatterie angeht. Und da ist natürlich wichtig zu schauen, dass das Scheckheft auch ordentlich gepflegt ist, dass die Wartungen regelmäßig gemacht wurden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass man keine Garantie mehr geltend machen kann gegenüber dem Hersteller.

Lohnt es sich denn überhaupt im Moment schon, einen gebrauchten Stromer zu kaufen?

Beim E-Auto kommt natürlich zu den generellen Unsicherheiten des Gebrauchtwagenmarktes hinzu, dass natürlich bei neuen Fahrzeugen die technische Entwicklung sehr schnell geht. Das heißt, das gebrauchte Fahrzeuge ist vielleicht schneller technisch alt. Momentan wird auch durch die Neuwagenförderung noch sehr stark der Gebrauchtwagenmarkt beeinflusst. Und dort ist noch sehr viel Bewegung gerade, da muss man tagesaktuell schauen: Welches Angebot gibt es, und ist mir es das wert oder nicht.

Wir reden ja im Moment davon, dass Neuwagen sehr teuer sind, dass der Gebrauchtwagenmarkt deswegen auch leergefegt ist, natürlich auch wegen Lieferketten, Störungen, Engpässen bei bestimmten Teilen, die gebraucht werden. Wie sieht es bei E-Autos aus? Gibt es da auch diese Probleme und sind damit auch gebrauchte E-Autos teurer, als sie eigentlich sein sollten?

Ja. In der Tat beobachte ich den Gebrauchtwagenmarkt jetzt auch schon seit zwei, drei Jahren immer mal wieder für bestimmte Modelle, und die Preise fallen dort gerade gar nicht. Und das ist wahrscheinlich schon sehr stark auf diese gestiegene Nachfrage bei Neufahrzeugen und den dünnen Gebrauchtwagenmarkt zurückzuführen.

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Florian Rudolph