Digitale Echtheits-Zertifikate NFT als Investment: Was sind die Chancen und Risiken?

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Jonathan Hadem.

Viele Menschen hoffen auf Reichtum durch NFT, manche sind sogar damit schon zum Millionär geworden. NFT sind digitale Zertifikate, die besagen, dass eine bestimmte Datei, oft ein digitales Bild, echt ist. NFT gibt es jeweils nur ein einziges Mal, deswegen kaufen Sammler sie über das Internet. Ob das ein gutes Investment sein kann, erklärt Saidi Sulilatu, Youtuber beim Geldratgeber Finanztip, im Gespräch mit SWR-Aktuell-Moderator Jonathan Hadem.

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SWR: Was genau sind NFT?

Saidi Sulilatu: NFT bedeutet "Non-Fungible Token" (deutsch etwa "nicht ersetzbares Sicherheitmerkmal", d.Red.) , und man darf sich das vorstellen wie ein digitales Echtheitszertifikat: Als ein Zertifikat, das auf eine Blockchain geschrieben wird, also in ein verteiltes Computernetzwerk, ein verteiltes abgespeichertes Buch, eine Datenbank, bloß, dass es eben für ein bestimmtes Kunstwerk steht. Man kann sich das so vorstellen: Wenn ich jetzt ein Künstler bin, aber nicht meine Bilder auf eine Leinwand male, sondern eben am Computerschirm zeichne, dann habe ich ja das Problem, dass das jeder per Rechtsklick sofort kopieren kann. Und dann kann ich ein solches NFT generieren lassen. Das beweist, dass DIESE spezielle Datei das Original ist. Jetzt kann man sagen, ich kann diese Datei immer noch per Rechtsklick kopieren. Aber das ist wie im richtigen Leben die "Mona Lisa". Von der der gibt es natürlich auch Millionen von Kopien. Aber es gibt natürlich nur das eine Original, das im Louvre hängt.

Wie einfach ist es denn, ein NFT zu erstellen?

Das ist mittlerweile gar nicht mehr so schwierig. Es gibt diverse Plattformen, eine der größten und bekanntesten ist OpenSea. Dort muss ich mir einen Account anlegen. Das kostet dann etwas, und dort kann ich dann eben für beliebige Gegenstände, wie vor allen Dingen beliebige Dateien, sprich: Kunstwerke, mir so ein NFT erstellen lassen. Und vor allen Dingen, und das ist das Entscheidende, kann ich das dann eben verkaufen - zum Beispiel in einer Auktion. Das ist eben das Interessante für Künstler oder auch Musiker. Auch Musik wird mittlerweile bei NFT verkauft. Das solche digitalen Kunstwerke handelbar gemacht werden können, ist gerade in Corona-Zeiten für viele Künstler eine wichtige Einkommensquelle.

Es gibt immer wieder Menschen, die plötzlich Millionär sind, weil sie ein paar NFT verkauft haben. Wie geht so was genau? Läuft es einfach nur über solche Auktionen?

Es gibt NFT, oder kleine Kollektionen, die relativ bekannt sind - zum Beispiel, die "CryptoPunks" oder "Bored Ape". Es sind also ähnliche Bilder, die in unterschiedlichen Variationen aufgetaucht sind, und die erfahren dann einen ordentlichen Hype. Und das sind dann auf einmal sehr viele reiche Leute offensichtlich bereit, dafür sehr viel Geld zu bezahlen. Und das hat sich zu einem gewissen Boom entwickelt, dass man mit so etwas dann auch, man muss es deutlich sagen, angeben kann. Das heißt, das verwendet man dann zum Beispiel als Profilbild in den sozialen Medien und kann damit zeigen: "Hey guckt mal, ich habe dieses teure NFT gekauft" - für meinetwegen ein paar Hunderttausend Dollar. Das ist ein bisschen so, als ob man eine Rolex tragen oder sich ein teures Sportauto zulegen würde, bloß dass das Ganze eben digital funktioniert. Aber ganz klar: Das betrifft nur einen relativ kleinen Teil von NFT. Es ist natürlich nicht so, dass jedes beliebige Bild jetzt sofort für Hunderttausende Dollar gehandelt wird.

Wenn ich tatsächlich einen NFT kaufen will, wie bezahle ich das denn?

NFT werden ja in Blockchains geschrieben, also ganz ähnlich wie Kryptowährungen, und sie werden auch in Kryptowährungen bezahlt. In aller Regel werden die auf der sogenannten "Ethereum"-Blockchain geschrieben, und deshalb bezahle ich auch in der Währung, die diese Blockchain fördert, nämlich in „Ether“. Das heißt ich brauche ein Wallet, also einen digitalen Geldbeutel, wo ich mir die Kryptowährung „Ether“ zulege. Und dann kann ich mir solche NFT kaufen. Es ist zu beachten, dass das leider praktisch nie umsonst ist. Denn allein für das Handeln, das Schreiben dieses NFT, ist auch für das Generieren, muss ich bezahlen, allein schon deshalb, weil auch Ethereum, ganz ähnlich wie Bitcoins, ordentlich Energie verbraucht. Das heißt, ich muss quasi schon allein mal die Stromkosten bezahlen. Und das ist auch eine Kritik an NFT, dass dort wieder mal ordentlich Energie verbraucht wird.

Dann kommen wir zur eigentlichen Frage: Ist das denn finanziell interessant? Lohnt es sich denn, da ein paar Stunden und Geld zu investieren und sich einzulesen, um dann auch mitzumischen?

Ich würde sagen, in aller Regel nein. Denn tatsächlich ist es so: Wenn ich da investiere, wenn ich mir ein NFT zulege, dann werde ich das ja in aller Regel tun, um zu hoffen, dass das eine Wertsteigerung erfährt. Und darauf kann ich mich überhaupt nicht verlassen. Man muss sich vorstellen, dass da natürlich sofort ein riesiger Markt entstanden ist. Und es ist überhaupt nicht gesagt, dass ich das Kunstwerk, das ich kaufe, später für einen großen Gewinn verkaufen kann. Es kann im schlimmsten Fall sein, dass ich ein NFT erworben habe, vielleicht für ein paar hundert Euro oder so etwas in der Richtung, das anschließend niemand mehr haben will. Denn es ist ja kein flüssiger Markt, es ist nicht gesagt, dass die Datei, die ich da habe, das Bild, wirklich gut ankommt. Und deswegen ist es ein sehr riskantes Investment. Wenn man viel Geld übrig hat, dann kann man vielleicht mit kleinem Geld dort anfangen - vor allen Dingen, wenn man vielleicht auch Kunstförderer sein will. Aber als ernsthaftes Investment, als ernsthafte Geldanlage ist das sehr gefährlich.

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