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INTERVIEW

Akkus von E-Bikes und E-Autos haben im Winter bei niedrigen Temperaturen weniger Leistung. Das ist bekannt. Doch ist das Problem wirklich so gravierend – und wie sollte ich den Akku am besten behandeln?
Diesen Fragen sind wir nachgegangen.

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Früher hatten Fahrer von Autos mit Diesel-Motor im Winter Angst: Springt der Wagen bei Minustemperaturen noch an? Das ist heute Schnee von gestern, denn in Deutschland bekommt man in der Zeit von Mitte November bis Ende Februar an allen Tankstellen automatisch Winterdiesel. Der Kraftstoff ist bis zu minus 20 Grad frostsicher.

Heute Haben viele Menschen zum Teil gerade panische Angst davor, sich ein Auto mit Elektromotor zuzulegen, weil sie meinen, dass der Akku vor allem im Winter weniger leisten kann.
Richtig ist: In den meisten E-Autos sind Lithium-Ionen-Akkus verbaut und die können Schwächeln: Der flüssige Elektrolyt, der sich zwischen Anode und Kathode befindet, friert ein und wird zu einem Festkörper. Dadurch wird der Austausch der Lithiumionen erschwert. Der Strom fließt gewissermaßen langsamer und schwächer. Das geht auch zu Lasten der Reichweite. Wer bei minus 40 Grad fahren will, muss vor allem bei älteren Modellen damit rechnen, dass er nur halb so weit kommt, wie im Frühjahr oder Sommer. Hinzu kommt, dass man ja im Auto nicht frieren will. Die Heizung frisst also zusätzlich Strom.

Abhilfe durch Vorwärmen

Jens Dralle ist Redakteur bei der Zeitschrift "Auto, Motor und Sport". Er sagt im SWR, dass man sich mit ein Tipps behelfen kann, die dem Akku sozusagen wieder "mehr Leben" einhauchen. Wer sein E-Auto beispielsweise nachts in eine Garage stellt, kann diese beheizen, damit der Akku den tiefen Temperaturen nicht ausgesetzt ist. Ob das besonders sinnvoll ist, da die meisten Garagen wenig gedämmt sind, bleibt mal dahingestellt. Besser ist es da schon, die autoeigenen Systeme zu nutzen, die den Akku vor der Fahrt vorwärmen. Viele Fahrzeuge, so Dralle, ließen sich per App auf dem Smartphone steuern. So könne man einstellen, dass der Akku zu einem bestimmten Zeitpunkt optimal temperiert ist. Nebeneffekt: Auch der Innenraum lässt sich gleich mit beheizen und man steigt in ein warmes Auto. Wer hat, kann sogar die Sitzheizung aktivieren. Bei den meisten Fahrzeugen, wie zum Beispiel beim Tesla Model 3, funktioniert die "Akkuheizung" aber nur, wenn der Wagen ans Stromnetz angeschlossen ist, damit die Batterie nicht leergesaugt wird. Das kostet zwar etwas Strom, gleicht sich aber durch die anschießende, höhere Reichwerte wieder aus.

Darauf achten, woher der Strom kommt

Ein Elektroauto, so "Auto, Motor und Sport"-Redakteur Dralle, mache ökologisch nur Sinn, wenn der Strom, mit dem der Akku aufgeladen wird, auch aus erneuerbaren Energien komme. Hier lohnt sich also ein Blick auf die Stromabrechnung. Dort ist meist der Energiemix angegeben, aus dem sich der Strom zusammensetzt, der aus der heimischen Steckdose kommt. Wer sein Gewissen beruhigen will, sollte zu einem Anbieter wechseln, der ausschließlich in nachhaltige Stromgewinnung investiert. Das heißt zwar nicht, dass dann nur noch durch Wind- oder Sonnenenergie erzeugter Strom aus der Steckdose kommt, aber der Anbieter fördert deren Ausbau.
Auf "Nummer sicher" geht nur, wer sich zum Beispiel eine Photovoltaikanlage aufs Dach bauen lässt und den Akku anschließend mit dem so erzeugten Strom "betankt".

E-Bike-Fahrerin auf der Straße (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Bernd Thissen)
E-Bike-Fahrerin auf der Straße picture alliance/dpa | Bernd Thissen

E-Bike-Akkus – wo lagert man sie am besten?

Was für die Akkus von E-Autos gilt, gilt ebenso für die von E-Bikes. Auch die leiden bei Kälte. Hier ist eine Abhilfe aber meist einfacher möglich, da sich die viele Akkus ausbauen lassen. Roland Schmitt ist Vorsitzender des ADFC Böblingen/Sindelfingen. Er sagt im SWR: "Der Akku sollte wirklich immer in der Wohnung oder im warmen Fahrradkeller gelagert werden. Temperaturen unter null Grad sind wirklich schädlich für den Akku." Hinzu komme – wie eben bei E-Auto-Akkus – dass die Reichweite sinke. "Man kommt nicht mehr so weit", sagt Schmitt. Auch wer mit dem E-Bike zur Arbeit fahre, sollte den Akku nach Möglichkeit nicht am Fahrrad belassen, sondern zum Beispiel mit ins Büro nehmen.

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