Frühstücks-Quarch: 80 Jahre D-Day - welche Bedeutung der Tag für Gegenwart und Zukunft hat

Stand
AUTOR/IN
Andreas Herrler
Andreas Herrler steht im Gang eines SWR-Gebäudes.
ONLINEFASSUNG
Andreas Böhnisch

Am 6. Juni 1944 begann die Landung der Alliierten in der Normandie. Warum der D-Day nach 80 Jahren wichtiger denn je ist, sagt der Philosoph Christoph Quarch.

Audio herunterladen (4,8 MB | MP3)

Der D-Day am 6. Juni 1944 markiert den Anfang vom Ende der Nazi-Herrschaft in Europa. Die Alliierten - also amerikanische, britische, kanadische und französische Streitkräfte - landeten in der Normandie und begannen mit der Invasion des von der deutschen Wehrmacht besetzten Frankreichs.

Wie Gedenktage mit Leben erfüllt werden können

"Um die Gegenwart zu verstehen, müssen wir uns immer wieder die Vergangenheit ins Bewusstsein rufen", sagt der Philosoph und Buchautor Christoph Quarch im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Andreas Herrler. "Und wir müssen die Gegenwart verstehen, wenn wir unsere Zukunft konstruktiv gestalten wollen."

Ein Narrativ umreißt den Horizont, vor dem sich ein Kulturkreis versteht. Damit aus Geschichte ein Narrativ wird, braucht es ein kollektives Gedenken.

Das Erinnern an die Ereignisse des D-Days kann nach Ansicht des Philosophen als Anlass für ein kollektives Gedenken an die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs genutzt werden. Aus den vielen Geschichten der Widerstandskämpfer und Opfer des Nazi-Terrors werde "die eine gemeinsame Geschichte. Und das ist die Geschichte Europas."

Warum gegenwartsbezogenes Erinnern wichtig ist

Christoph Quarch plädiert dafür, dass Gedenktage im aktuellen Kontext gesehen werden. Die Gegenwart verändere sich ständig und damit bekomme die Vergangenheit auch eine neue Bedeutung. Als Beispiel nennt er die politische Entwicklung in der Europäischen Union: "Kurz vor einem drohenden Rechtsruck bei der Europa-Wahl bekommt die Geschichte von der Befreiung Europas von der Nazi-Herrschaft einen ganz anderen und starken Gegenwartsbezug." Solche neuen und veränderten Zeitbezüge sollten an Gedenktagen herausgearbeitet werden.