Computer-Tastatur mit blauer Beleuchtung (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/ dpa/ Sebastian Gollnow)

Diskussion um Cyberkriminalität

Wie können sich Unternehmen und Staat gegen Hacker-Angriffe wehren?

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Fremde Staaten könnten uns ohne Bomben und Panzer angreifen, per PC Kraftwerke und Stromnetze lahmlegen - mit fatalen Folgen. Darum geht es beim Sicherheitsforum Baden-Württemberg.

Wegen des Krieges in der Ukraine rechnen Experten auch in Deutschland mit Cyberangriffen russischer Hacker. Im Extremfall könnten Unternehmen oder wichtige Infrastruktur lahmgelegt werden. Das könnten Telefon und Internet sein, aber auch die Wasser- und Stromversorgung. Wie gut das Land darauf vorbereitet ist und welche Abwehrmöglichkeiten es gibt, darüber beraten am Mittwoche Experten in Stuttgart.

"Es gibt verschiedene Angriffsszenarien"

Arne Schönbohm, Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), schildert im SWR mehrere Varianten: "Auf der einen Seite sieht man die klassische organisierte Kriminalität, die starke Angriffe fährt. Wir sehen natürlich auch hier staatliche Akteure." Das sei zwar meistens "Business as usual", aber in Teilen eben auch "Gefahrenlage Rot". Relativ neu ist dem BSI-Chef zufolge, dass es immer mehr "Hacktivisten" gebe, die kritische Infrastrukturen oder Wirtschaftsunternehmen angriffen.

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Hackerangriffe auf kritische Infrastruktur verhindern

Die Bedrohungslage sei hoch, so Schönbohm, aber Deutschland habe auch ein relativ hohes Sicherheitsniveau durch das "IT Sicherheitsgesetz 1.0". Dort müssten Unternehmen nachweisen, dass sie sich schützen. "Das hat uns schon deutlich geholfen."

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Experte: Gefahr durch fehlende Updates und schlechte Passwörter

Wenn Firmen und auch private Internet-Nutzer sich sorgfältig um ihre Sicherheit kümmern würden, wäre das schon eine große Hilfe, sagt Sebastian Schreiber. Der IT-Unternehmer aus Tübingen betreibt die Sicherheitsfirma SySS. "Da haben wir Windows-Systeme, die uralt, nicht gepflegt und nicht gepatcht sind. Und wir haben schlechte Passwörter."

"Überall gibt es eine Kleinigkeit, wo der Kunde etwas übersehen hat."

Schreiber testet im Auftrag seiner Kunden die Sicherheit der Systeme. Fast immer, so berichtet er, gelinge es seinen Mitarbeitern bei diesen "Penetrationstests", die Systeme der Kunden zu knacken - um anschließend die entdeckten Schwachstellen zu beheben. Es sei "mit relativ niedrigen finanziellen Aufwand machbar, dass man zum Beispiel zu den fünf Prozent der sichersten Unternehmen gehört".

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Cybersicherheit: Baden-Württemberg "mittelmäßig geschützt"

Das Land Baden-Württemberg veranstaltet das Sicherheitsforum - und das ist nach Ansicht von Jörn Müller Quade auch dringend nötig. Der Leiter des Karlsruher Kompetenzzentrums für Cybersicherheit "Kastel" sagt im SWR, Baden-Württemberg sei allenfalls "mittelmäßig geschützt". Das liege auch an falscher Sparsamkeit und einer falschen Einstellung: "Man investiert nicht viel. Und wenn etwas passiert, sind mehr Leute betroffen als nur man selber, und man steht sozusagen nicht am Pranger. Was wir brauchen, sind da eben strengere Vorgaben, damit wir hier so eine Art Herdenimmunität entwickeln."

"Baden-Württemberg ist mittelmäßig geschützt"

Besonders Unternehmen, so Müller-Quade, müssten sich mehr für IT-Sicherheit engagieren. "Es könnte ja so einen Club von Firmen geben, wo man nur aufgenommen wird, wenn man gewisse Mindeststandards erfüllt." Besser wären seiner Ansicht nach allerdings strengere gesetzliche Vorgaben.

Wenn die baden-württembergische Landesregierung den Unternehmen, die sie beliefern wollen, mehr Cybersicherheit vorschreibe, könnte das nach Ansicht des Experten sogar eine Art Gütesiegel werden: "Dann wird es auf einmal eine Art der Prestige sein, der Landesregierung was verkaufen zu dürfen. Man wäre sozusagen wieder Hoflieferant, aber in einem irrsinnig positiven Sinne, weil man eben diese Standards erfüllt."

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