Frühstücks-Quarch: Warum wir die Corona-Pandemie aufarbeiten müssen

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AUTOR/IN
Arne Wiechern
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Andreas Böhnisch

Vor vier Jahren, am 16. März 2020, beschloss die damalige Bundesregierung den ersten Corona-Lockdown. Wie die Pandemie aufgearbeitet werden muss, sagt der Philosoph Christoph Quarch.

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Die Politik will die staatlichen Corona-Maßnahmen kritisch aufarbeiten. Es soll geklärt werden, ob Hilfen in die richtige Richtung geflossen sind, und ob die einzelnen Maßnahmen berechtigt waren.

Der Philosoph und Buchautor Christoph Quarch hält das für richtig. Im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Arne Wiechern lobt er, dass Politiker bereits Fehler eingestanden hätten. "Aber für eine umfassende, gesellschaftliche Aufarbeitung der Pandemie ist das noch zu wenig." Viele Menschen hätte bis heute "tiefe seelische Narben". Eine "psycho-soziale Heilung" sei notwendig.

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Kinder und Jugendliche wurden in der Corona-Pandemie vergessen

Der Philosoph kritisiert, dass in den diversen Corona-Lockdowns das Augenmerk zu sehr auf die "vulnerablen Gruppen" gelegt worden sei. Dabei habe die Politik Kinder und Jugendliche aus den Augen verloren. "Die Kids mussten auf ihre Freunde, ihren Sport und ihr schulisches Umfeld verzichten. Das hat denen nicht gutgetan. Das hat sie in ihrer mentalen und physischen Resilienz geschwächt." Auf die mahnenden Stimmen von Kinder- und Jugendärzten sei nicht gehört worden.

Politik hat bei Corona zu einseitig auf Virologen gehört

Einen großen Vertrauensverlust in die Politik macht der Philosoph bei den Beschäftigten im Pflege- und Gesundheitswesen aus. Dazu habe die Debatte über eine Impfpflicht gegen das Coronavirus in einem erheblichen Maß beigetragen. "Die Menschen fühlten sich bevormundet und gemaßregelt." Die Politik habe nur noch auf die Stimme der Virologen gehört. Die Expertise der anderen Beschäftigten im Pflege- und Gesundheitswesen habe kaum noch eine Rolle gespielt. Da gebe es noch eine Menge aufzuarbeiten und auch zu verzeihen.

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