Kampf gegen Corona

Lucha: "Impfungen haben allein in Baden-Württemberg 5.000 Leben gerettet"

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Andreas Herrler

Nach den Corona-Beschlüssen von Bund und Ländern zeigt sich BW- Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) weitgehend zufrieden. Er spricht im Interview mit SWR-Aktuell-Moderator Andreas Herrler von "wichtigen Bausteinen".

SWR: Bekommt man mit dem, was da gestern beschlossen worden ist, tatsächlich mehr Menschen dazu, sich impfen zu lassen?

Manfred Lucha: Auf alle Fälle sind dieser Beschluss und diese Vorschläge die wichtigen Bausteine in die richtige Richtung. Es gibt eine eindeutige Botschaft: Mit dem Impfen können wir die Pandemie zurückdrängen und die Gesundheitsgefährdungen und die Belastung für die Menschen und die Gesundheitssysteme in den Griff bekommen. Das wird vorangestellt. Und dann kommt parallel der Schutz, dass einfach Infektionen nicht weitergetragen werden. Und jeder hat jetzt die Chance zu entscheiden, sich kostenlos den Piks zu holen. Und dann haben wir eine große Etappe erreicht.

Aber die Menschen, die sich jetzt wirklich komplett gegen eine Impfung stellen, diese sogenannten Impfverweigerer, die wird man damit ja womöglich auch nicht überzeugen. Wäre eine echte Impfpflicht nicht vielleicht doch besser gewesen?

Also wir wissen schon aus vormaligen Debatten zu Impfungen nach dem Masernschutzgesetz, dass es nur zwei Prozent richtig radikale Impfverweigerer - aus welchen Gründen auch immer - gibt. Alle anderen sind in gewisser Weise zu erreichen. Und wir haben jetzt bei der gar nicht so schlechten Impfquote zum derzeitigen Zeitpunkt alle Motivierten, gut Motivierten erreicht. Und jetzt kommen halt die, die von uns auch noch ein bisschen - auf Schwäbisch - einen "Tschucker" benötigen, einen äußeren Anlass. Motivation, Aufklärung, aber auch ordnungsrechtlich zu wissen: Wenn ich mich nicht impfen lasse, wird mein Leben etwas komplizierter und aufwendiger, wenn ich zum Beispiel in meiner Freizeit gewisse Dinge tun möchte.

Diese zwei Prozent, die sie gerade ansprechen, kann man das wirklich übertragen? Radikale Impfgegner, die sich zum Beispiel gegen eine Masernimpfung ausgesprochen haben: Die traten jetzt nicht als "Querdenker" auf. Sind das jetzt nicht viel mehr geworden?

Nein, es sind nicht mehr geworden, sie sind etwas lauter. Das ist so: Dank Social-Media-Campaining, dank Fake-News-Campaining kommt es so rüber, als wären es mehr. Vielleicht sind es auch gerade drei Prozent. Wir haben ja solche Kandidaten zum Beispiel in Stuttgart. Die waren bei der OB-Wahl angetreten oder auch zu den Landtagswahlen, und die haben im unter einprozentigen oder im niedrigen Prozentbereich Zustimmung erhalten. Also die Gesamtgesellschaft ist sicher nicht komplett gegen das Impfen. Ganz im Gegenteil: Wir haben, nach einer Hochrechnung des Robert-Koch-Instituts, für Baden-Württemberg runtergerechnet 5.000 Menschen das Leben gerettet - die wären sonst verstorben. Wir haben 10.000 Krankenhausaufenthalte und 100.000 Infektionen verhindert. Wir haben bei dieser hohen Anzahl bloß 7.000 Impfdurchbrüche, im unteren Promillebereich, wo man sich tatsächlich trotz Doppelimpfung infiziert hat. Und alle Verläufe waren moderat und haben die Menschen nicht lebensbedrohlich betroffen. Genau das, was wir uns von der Impfung erwarten. Also man kann wirklich sagen mit diesem Impfstoff sind wir auf der sicheren und guten Seite.

Eine erweiterte Testpflicht soll nun gelten ab einer Inzidenz von 35. Sie hatten sich in den vergangenen Tagen immer wieder dafür ausgesprochen, dass man die Inzidenz vielleicht doch nicht mehr als alleinigen Maßstab nimmt. Das wirkt nun, als sei das doch noch so, auch wenn über andere Werte am Rande auch gesprochen worden ist. Hätten sie sich doch mehr versprochen?

Es war klar, dass zum gestrigen Beschluss noch keine klare Eindeutigkeit kommt. Vielleicht war die Konferenz auch eine Idee zu nahe an der Bundestagswahl. Das vermag ich nicht zu beurteilen. Aber wenn man sich den Beschluss genau ansieht, auch mit den Gestaltungs- und Öffnungsklauseln für die Länder, gehen wir schon jetzt den Schritt in die richtige Richtung. Eine Botschaft ist klar, und das ist die Wichtige: Es wird keine Lockdowns mehr geben, und alle Rechte der doppelt Geimpften werden zurückgegeben. Restriktionen, Einschränkungen betreffen tatsächlich nur noch nicht vollständig Geimpfte. Und diese Botschaft ist die ganz Klare. Und für uns als Gesundheitsminister ist der Blick auf die Auslastung der Intensivstationen der entscheidende Parameter, weil das der Grund ist, warum wir Maßnahmen treffen: Damit das medizinische System leistungsfähig bleibt!

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