Kind bekommt ein Pflaster nach der Impfung (Foto: imago images, IMAGO / Westend61)

Mainzer Impfstoff vor Zulassung für Heranwachsende

Mit Biontech-Impfung für Kinder Hoffnung auf echte Herdenimmunität?

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Die Impfkampagne läuft: Diese Woche gab es erstmals eine Million Impfungen am Tag in Deutschland, doch nur für Erwachsene. Es braucht aber Kinderimpfungen für die Herdenimmunität.

Ingeborg Krägeloh-Mann ist Kinderärztin und praktiziert in Tübingen. Dort hat sie schon unzählige Impfungen verabreicht. Sie ist aber auch Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. In dieser Funktion beschäftigt sie derzeit vor allem eine Impfung: die gegen das Coronavirus. Die Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin habe in der Öffentlichkeit und bei Impfstoff-Herstellern aktiv auf eine Entwicklung für diese Altersgruppe hingewirkt, sagte sie im SWR.

Biontech auf der Zielgeraden mit Impfstoff für Kinder

Am weitesten sei die Entwicklung derzeit beim Hersteller Biontech/Pfizer, so Krägeloh-Mann: "Die sind jetzt praktisch mit den Daten für Jugendliche schon fertig und sind auch weitgehend auf der Zielgeraden sogar für die kleineren Kinder."

In der Tat hat der Mainzer Impfstoff-Hersteller Biontech mit seinem US-Partner Pfizer den Antrag auf Zulassung seines Impfstoffs für Kinder ab zwölf Jahren bei der zuständigen EU-Behörde EMA bereits gestellt. Das teilten die Unternehmen am Freitag mit. Schon ab Juni könnte der Impfstoff damit zur Verfügung stehen. Eine Impf-Kampagne unter Schülerinnen und Schülern wäre damit in den Sommerferien möglich.

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Krägeloh-Mann ergänzte, Covid-19 sei als Krankheit zwar für Kinder weiterhin weniger bedrohlich als für ältere Menschen, trotzdem sei eine Impfung der jüngsten Altersgruppen im Sinne aller: "Kinder werden weniger häufig und weniger schwer krank, aber es gilt da eher, das Ziel zu erreichen, die sogenannte Herdenimmunität voranzutreiben."

Das ganze Interview von SWR-Moderator Andreas Herrler mit Ingeborg Krägeloh-Mann, der Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, hören Sie hier:

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Ziel: Herdenimmunität für alle, um Schließungen zu vermeiden

Das größte Problem für alle Familien seien derzeit die ständigen Schließungen von Schulen, Kindergärten und Kindertagesstätten. "Dazu muss man auch Kinder impfen", sagte die Kinderärztin. "Das schützt Kinder vor Nebenwirkungen - nicht der Erkrankung speziell, sondern vor der Wirkung, die ein Lockdown hat: vor den Problemen, dass Schulen geschlossen werden müssen oder Kindergärten zu bleiben."

Wirksamkeit in Studien bei 100 Prozent

Die von Biontech/Pfizer in den Vereinigten Staaten veröffentlichten Studien-Ergebnisse in der Altersgruppe von 12 bis 15 Jahren machen Mut: Die Heranwachsenden hätten die Impfung gut vertragen - die Nebenwirkungen seien nicht stärker ausgefallen als in der nächsthöheren Vergleichsgruppe - und die Wirksamkeit lag bei 100 Prozent. "Es ist natürlich phantastisch, dass der Impfstoff so gut wirkt", so die Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Der Grund sei allerdings schwer zu erforschen und sie kenne noch keine offizielle Erklärung dafür.

Kinderarzt-Praxen sollen Impf-Bedenken abbauen

Mit Blick auf eine mögliche Zurückhaltung bei Eltern, einen neuen Impfstoff an ihre Kinder verabreichen zu lassen, räumte Krägeloh-Mann ein, es sei immer schwierig, sich aktiv für etwas zu entscheiden, was auch unerwünschte Nebenwirkungen haben könnte. "Insofern ist das schon nachvollziehbar, aber es ist wichtig, den Eltern zu vermitteln, wie essenziell das Impfen ist - nicht nur gegen Covid-19, sondern allgemein." Sie betonte, "dass Impfen mit eine der größten Erfolge in der Gesundheitsvorsorge bei Kindern ist und bleibt".

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