Diskussion um Energie-Embargo

BDEW-Chefin Andreae: Politik muss mehr fürs Energiesparen tun

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"Wir brauchen eine bundesweite Kampagne zum Energiesparen", sagt die Chefin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft, Kerstin Andreae. Angesichts des Ukraine-Kriegs sei es ein Problem, dass mit russischen Energie-Lieferungen Putins Kriegskasse gefüllt werde. Europa müsse unabhängiger von Energie aus Russland werden. Sparen sei auch in dieser Hinsicht nötig. Die Branche sei sich einig, dass wir mit Energie generell effizienter umgehen müssen. Atomkraftwerke könne man nicht im Handumdrehen länger laufen lassen – und bei den Erneuerbaren sei jetzt schon mehr rauszuholen, so die Verbandschefin.

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Seit dem Beginn des Kriegs gegen die Ukraine diskutiert Deutschland über mögliche Lieferstopps für russische Energie. Kerstin Andreae war jahrelang für die Grünen im Bundestag, als wirtschaftspolitische Sprecherin und Fraktionsvize. Heute ist sie die Chefin des BDEW, des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft, und sieht besonders zwei Probleme durch den hohen Anteil russischer Rohstoffe wie Gas, Kohle und Öl am Energieverbrauch in Deutschland.

Korrespondent Alfred Schmit und BDEW-Chefin Kerstin Andreae sitzen sich im Hörfunkstudio an einem Tisch gegenüber und unterhalten sich (Foto: SWR)
Korrespondent Alfred Schmit und BDEW-Chefin Kerstin Andreae im SWR Interview der Woche

"Wir müssen schneller unabhängig werden von russischen Energielieferungen"

Erstens bringe die starke Abhängigkeit von Russland Risiken bei der Versorgungssicherheit mit sich – nämlich für den Fall von Liefer-Engpässen, sagt Andreae. Und zweitens sei es auch ein moralisches Problem, denn Zahlungen an Russland "füllen Putins Kriegskasse", so die Verbandschefin. Der BDEW vertritt die großen Versorger in Deutschland, also RWE, EON, EnBW, Vattenfall, aber auch zahlreiche kleinere Unternehmen, insgesamt hat der Verband 1900 Mitglieder. Verbandschefin Andreae formuliert angesichts möglicher sozialer und wirtschaftlicher Folgen den Standpunkt ihres Verbandes: "Wir müssen schneller unabhängig werden von russischen Energielieferungen, sprechen uns aber gegen ein Embargo aus – vor allem beim Thema Gas."

"Frieren für den Frieden ist nicht so leicht umzusetzen"

Parolen wie das "Frieren für den Frieden" sieht Andreae kritisch. So leicht gehe das nicht. Allein schon wegen der Priorisierung, die nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa gesetzlich vorgeschrieben sei. Und dies bedeute, dass im Fall von Notsituationen mit weniger Energie zunächst Industrie-Unternehmen ihren Verbrauch herunterfahren müssen und erst ganz zum Schluss Privathaushalte und soziale Einrichtungen wie Krankenhäuser an der Reihe wären.

SWR Korrespondent Alfred Schmit und Kerstin Andreae stehen nebeneinander in der Halle des Hauptstadtstudios in Berlin und lächeln in die Kamera (Foto: SWR)
SWR Korrespondent Alfred Schmit und Kerstin Andreae in der Halle des Hauptstadtstudios in Berlin

Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke: Eher nicht

Immer wieder kommt in der Diskussion um mögliche Alternativen bei der Energieversorgung eine mögliche Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken zur Sprache. Die Betreiberfirmen haben allerdings schon Ende Februar nach Beginn des Kriegs gegen die Ukraine den Standpunkt vertreten: "Das geht nicht schnell – wenn überhaupt." BDEW-Chefin Andreae sieht es so: "Die Atomenergie ist eine Hochrisikotechnologie", und das bedeute, dass Abschalt-Pläne einen langen Vorlauf haben, der nicht ohne weiteres unterbrochen werden könne. Fragen der Technik und des Personals müssten erst geklärt werden: "Das ist keine Technologie, wo sie den Schalter ausstellen, und dann ist das Licht aus." Brennstäbe etwa seien einem Kraftwerk genau zugeordnet und nicht austauschbar, ebenso wie der Rohstoff Uran, der größtenteils aus Kasachstan komme. Andreae meint: Man könne aus bestehenden Erneuerbaren Anlagen mehr Energie gewinnen. Das sei die zukunftsweisendere Debatte.

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