Auto-Abo als Antwort auf Neuwagenmangel und Energiekrise?

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Weil die Spritpreise immer mehr steigen, wollen sich mehr und mehr Menschen ein Elektroauto anschaffen. Doch wer jetzt bestellt, muss oft mehr als ein Jahr und länger warten. Ist ein Auto-Abo eine Alternative zu Kauf, Leasing oder Finanzierung? Hier sind die meisten Kosten in der monatlichen Rate enthalten, also auch Inspektionen oder Versicherung - manchmal sogar die Stromkosten für eine bestimmte Zahl von Kilometern. Und unter Umständen wird das neue Auto dann auch. schneller geliefert als bei einem Kauf. Die Vor- und Nachteile erklärt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research in Duisburg Im Gespräch mit SWR-Aktuell-Moderator Jonathan Hadem.

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SWR: Ist ein Auto-Abo im Moment die bessere Alternative zu Kauf oder Finanzierung?

Ferdinand Dudenhöffer: In der jetzigen Situation, wenn man zügig ein Auto braucht, ist das Auto-Abo wirklich eine gute Alternative. Und, das muss man auch dazu sagen, es gibt eine ganze Reihe von Auto-Abos, die in Preis und Werthaltigkeit gegenüber Kauf oder gegenüber Leasing oder über Finanzierung überhaupt nicht zu schlagen sind. Auto-Abo ist nicht nur einfacher und bequemer für den Kunden, sondern es kann durchaus auch preiswerter sein, das Fahrzeug zu fahren. Und man sieht es an Kennzahlen. Eine, die sehr wesentlich ist, kann sich jeder ausrechnen: Das ist der sogenannte Car-Abo-Faktor. Das ist die Monatsrate des Fahrzeuges geteilt durch den Kaufpreis, also den Listenpreis minus dem Rabatt. Und wenn der Werte zwischen 1,0 und 1,7 oder 1,8 herauskommen, kann man sagen: Das ist ein guter Kauf, das ist ein gutes Auto-Abo. Wenn die Werte größer sind, dann ist es eher schlecht. Der Wert sagt aus: Was bezahle ich einen Monat lang für die Nutzung dieses Fahrzeuges. Das heißt, wieviel Prozent vom Kaufpreis muss ich bezahlen, um dieses Fahrzeug inklusive aller Kosten außer dem Treibstoff im Monat zu bezahlen.

Wenn ich ein Auto zehn oder 15 Jahre lang fahre, dann lohnt sich der Kauf wahrscheinlich wieder mehr, im Vergleich zu einem Auto-Abo. Oder?

Die Abo-Autos sind in der Regel neue Fahrzeuge. Die Dauer der Abos geht zwischen zwölf und 24 Monate, also haben Sie immer ein neues Auto. Sie haben nicht die Probleme, dass plötzlich unerwartete Reparaturen kommen. Sie haben nicht die Probleme, dass der TÜV Bedenken kriegt, wenn er ihr Fahrzeug sieht bei der technischen Überprüfung. Das heißt, Sie sind mit der neuesten Technologie unterwegs. Und wenn man es vergleicht mit neueren Fahrzeugen, also nicht mit einem zehn Jahre alten Fahrzeug, dann ist das Auto-Abo wirklich eine schöne Sache. Auto-Abo gibt es bisher für neuere Fahrzeuge. Es ergibt keinen Sinn, ein Fahrzeug, das älter ist als vier oder fünf Jahre, ins Auto-Abo zu nehmen.

Es gibt viele Anbieter von Auto-Abo-Modellen. Wie finde ich denn da den richtigen? Und worauf muss ich dabei achten?

Achten sollte man auf den Car-Abo-Faktor. Den kann man sich ausrechnen, einfach die Monatsrate geteilt durch den Kaufpreis des Autors. Dabei würde man dann auch noch Sonderzahlungen und Ähnliches rausrechnen. Denn das ist ja auch unfair, die wieder mit reinzubringen. Man sollte schauen, dass man das für 15.000 Kilometer pro Jahr macht. Das sind so Standardgrößen, also der 15.000 Kilometer ohne Anzahlung und dann ein Faktor, der zwischen 1,0 und 1,6 oder 1,7 oder 1,8 legt. Es gibt durchaus Schwarze Schafe, das muss man ganz klar sagen. Wir haben zum Beispiel bei einem Anbieter im letzten Monat ein Modell gefunden, das war ein Fabia von Skoda. Der kostet 19.000 Euro neu, und den hat, man muss es so sagen, dieser Schweinepriester für 730 Euro im Monat im Abo angeboten. Das ist mehr als unfair, das ist schlecht, da muss man aufpassen. Es gibt viele, viele gute Angebote. Die kann man sich anschauen. Aber man muss einfach auch da kritisch prüfen.

Der Markt für Abos wächst und es gibt einen ziemlichen Boom. Hersteller wie Volvo zum Beispiel, die bieten das Abo ja auch direkt an. Könnten da andere Automobilhersteller nachziehen?

Derzeit ist es so, dass Volvo der Autobauer ist, der das am stärksten beflügelt hat, und der auch vernünftige und faire Angebote hat. Das sehen wir, indem wir es monatlich vergleichen. Die anderen Autobauer ziehen nach. VW hat jetzt ein Abo,  Mercedes hat ein Abo, aber ein Großteil der Abo-Anbieter sind herstellerunabhängige Plattformen wie oder wie Ilike2drive, Conquar oder ViveLaCar. Das sind zum Teil Plattformen, bei dem Händler ihre Fahrzeuge mit einem Abo einstellen können. Es sind aber auch Plattformen, bei denen Gesellschaften die Fahrzeuge einkaufen, sehr ähnlich wie Vermieter, und die Fahrzeuge dann im Abo anbieten. Sixt hat übrigens auch ein Abo, aber das ist relativ schwer nachzuvollziehen. Das ist mehr eine Langzeitmiete, die man dort hat.

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