Ein Hund wird zu einem Spürhund ausgebildet (Foto: dpa Bildfunk, Dirk Waem)

Interview mit Expertin für Artenschutz

Bauvorhaben der Deutschen Bahn: Spürhunde suchen nach geschützten Tieren

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Arne Wiechern
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Christian Spöcker
Christian Spöcker (Foto: SWR3, privat)

Immer wieder sorgen geschützte Tierarten für Probleme bei Bauvorhaben. Das betrifft auch die Deutsche Bahn, die jetzt bei ihren Plänen auf einen guten Riecher setzt.

Die Deutsche Bahn stellt am Dienstag sechs Spürhunde vor, die bei Bauvorhaben nach geschützten Tieren suchen sollen. Was diese Artenschutzspürhunde alles können, hat SWR Aktuell-Moderator Arne Wiechern Birgit Braun gefragt. Die Geschäftsführerin der Aktionsgemeinschaft Artenschutz mit Sitz in Korntal-Münchingen (Kreis Ludwigsburg) hat für ihre Arbeit mit Artenschutz-Spürhunden einen Umweltpreis bekommen.

SWR: Frau Braun, dass gerade die Deutsche Bahn nun Artenschutzspürhunde einsetzen will, klingt für Außenstehende ziemlich überraschend. Was soll bei Bauprojekten alles erschnüffelt werden?

Birgit Braun: Ich denke, es geht darum, sich vorher abzusichern, ob auf dem Gelände des Bauvorhabens geschützte Arten sind. Wenn man weiß, dass dort geschützte Arten sind und diese umgesiedelt werden sollen, dann können die Hunde dabei helfen, die Tiere aufzufinden, dass sie schneller umgesiedelt werden können.

Der Hund kann nicht sagen: "Ich habe da gerade einen Wachtelkönig gerochen oder eine Tellerschnecke". Wie funktioniert die Kommunikation von Tier zu Mensch?

Der Hund und sein Hundeführer sind ein eingespieltes Team. Der Hund bekommt Methoden antrainiert, um seinen Fund anzuzeigen. Wenn er bellt, dann weiß der Hundeführer Bescheid. Andere setzen sich hin. Das macht vor allem Sinn, wenn es darum geht, andere Tiere aufzufinden, die sonst verschreckt oder verjagt werden. Das kann so weit gehen, dass die Hunde so trainiert werden, dass die Nasenspitze in die Richtung des Fundes zeigt.

Spürhunde werden auch im Wald eingesetzt, um zum Beispiel nach Spuren von Auerhühnern zu suchen, darüber hat der SWR Anfang Oktober berichtet:

Entdeckt ein Artenschutz-Spürhund durch seine Ausbildung jede Tierart - oder kann ihm auch mal etwas durch die Lappen gehen?

Man muss den Hund auf eine Ziel-Tierart ausbilden, zum Beispiel auf Vögel oder eine bestimmte Vogelart. Es kommt darauf an, für was er eingesetzt werden soll. Wir haben zum Beispiel einen Spürhund bei uns im Geparden-Schutzprojekt in Namibia, der darauf trainiert ist, den Kot von Geparden zu finden. Laboruntersuchungen von Kotproben sagen viel über die Geparden aus. Der Hund ist so trainiert, dass er nur bei Gepardenkot anschlägt - bei Löwen- oder Leopardenhäufchen tut er das nicht. Aber ich könnte den Hund auch so ausbilden, dass er mir Kotproben von allen Raubkatzen anzeigt.

Welche Hunde sind besonders geeignet, Artenschutzspürhunde zu werden?

Das kommt darauf an, was der Hund suchen soll. Beispielsweise werden Hunde vom Zoll bei uns am Flughafen eingesetzt. Sie sollen im Reiseverkehr nach geschützten Arten suchen, die Touristen oder professionelle Schmuggler in ihrem Gepäck mitnehmen. Wenn die Hunde die Menschen absuchen, die mit ihrem Handgepäck herumlaufen, sollten das Hunde sein, die keine Angst machen und die Touristen nicht in Panik versetzen. Sie sollten die Nase hochhalten und ihrem Hundeführer anzeigen, wenn sie etwas gefunden haben. Wenn ich in einer Lagerhalle suche, kann es auch sein, dass ich einen größeren Hund brauche, der in ein höheres Regal vordringen kann. Bei Autos sollte es ein kleiner Hund sein, der in die Ecken kommt.

Kann jeder Hund gut schnüffeln oder gibt es auch Hunde, deren Nase nicht so empfindlich ist?

Eigentlich ist jeder Hund geeignet. Wichtig ist, wie er belohnt wird. Man kann Hunde auf zwei verschiedene Arten belohnen, entweder mit ihm zu spielen oder ihm Futter zu geben. Wichtig ist, dass dieser Spieltrieb ganz ausgeprägt ist. Es gibt auch Hunde, die Dinge oder Tiere riechen könnten, aber keine Lust haben. Das ist aber viel wichtiger als die Fähigkeit zu riechen, denn das kann jeder Hund.

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