Zwei Stapel Pakete und eine Postsendung des Online-Versandhändlers Amazon  (Foto: picture-alliance / Reportdienste)

Mit Datenklau zum Top-Seller Wenn der Postbote unverlangte Amazon-Pakete bringt

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Immer wieder bekommen Amazon-Kunden Pakete mit Inhalten geliefert, die sie überhaupt nicht bestellt haben. Was steckt dahinter? Wir haben Andre Wolf von Mimikama, dem Verein gegen Internetmissbrauch, gefragt.

Im Internet kursieren Berichte über Ferngläser, Mausefallen oder Sexspielzeug, die Kunden unverlangt zugesendet bekommen. "Meistens sind es Ramsch-Artikel", sagt Andre Wolf von Mimikama im SWR. Seltener seien es wirklich hochwertige Produkte, wo man sagen könne: "Wow, was habe ich denn da bekommen?"

Die Masche: "Pakete verschicken und selbst gute Rezensionen schreiben"

Andre Wolf vermutet dahinter eine Strategie einiger Händler auf Amazon: Man kaufe sich illegal Adressen, baue für jede Adresse einen Account auf und versende Waren. "Dadurch, dass man die Adressen selbst betreut, kann man auch eigene Rezensionen schreiben. Damit hat man auf einmal unwahrscheinlich viele gute Rezensionen", so Wolf. Die verkauften Artikel würden dann natürlich "gepusht" und so zum Top-Seller auf Amazon deklariert.


"Unverlangte Pakete behalten oder verschenken"

Im Gespräch mit SWR-Moderatorin Astrid Meisoll erklärt Andre Wolf, was Verbraucher mit unbestellten Paketen tun können.

Dauer

Die nicht bestellte Ware könnten Verbraucher schlichtweg behalten oder verschenken, so Wolf. "Man ist jedenfalls nicht dazu verpflichtet, sie wieder zurückzusenden – erst recht nicht, wenn man gar keinen Absender ausfindig machen kann." Verbraucher könnten aber Amazon darüber informieren, wenn sie ein solches Paket bekommen.

"Adress-Handel ist ein florierendes Geschäft im Netz"

"Das Ärgerliche und Gemeine ist, dass irgendjemand meine Adresse in einem Datensatz vorliegen hat und sie für einen Fake-Account auf Amazon missbraucht", meint Andre Wolf. Überhaupt sei der Handel mit Adressen im Internet ein florierendes Geschäft. "Datensätze sind teuer. Je mehr Inhalt in einem solchen Satz steckt, desto teurer ist er." Vieles werde illegal weitergehandelt. Derjenige, dessen Adresse in einem solchen Datensatz drin stehe, laufe Gefahr, dass diese missbraucht werden.

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