Manfred Schmider steht vor einem leergeräumten Bücherregal aus Holz. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/SWR-Presse/Bildkommunikation/dpa)

Themenabend "Big Manni" Der Flowtex-Betrüger, der fünf Milliarden erschlich

Flowtex steht für den größten Wirtschaftsbetrug der Nachkriegsgeschichte. Der Spielfilm und die Dokumentation des SWR über Manfred Schmider stieß auf großes Interesse beim Publikum.

In einem satirischen Spielfilm und einer Dokumentation erinnerte das ARD-Fernsehen am Mittwoch an den schwersten Fall von Wirtschaftskriminalität in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Von 1994 bis 1999 entstand im kleinen Ettlingen bei Karlsruhe dabei ein Schaden von fast fünf Milliarden D-Mark. Das Landgericht Mannheim veurteilte Unternehmensgründer Manfred Schmider zu elf Jahren und sechs Monaten Haft, von denen er zwei Drittel absitzen musste.

Rund 4,68 Millionen Zuschauer - das entspricht einem Marktanteil von 15 Prozent - verfolgten den Spielfilm und 4,32 Millionen auch die anschließende Dokumentation.

Was Schmider heute macht

Dokumentarfilmerin Martina Treuter hat Schmider 20 Jahre, nachdem der Betrug mit Leasing-Geschäften für Horizontalbohrmaschinen aufgeflogen ist, getroffen. Er ist 70 Jahre alt und lebt auf Mallorca: "Er wirkt so, als ob die Jahre im Gefängnis schon Spuren hinterlassen haben", sagte Treuter. "Ich hatte das Gefühl, dass er noch was zu sagen hat."

"Er hat überhaupt eingewilligt, bei diesem Film mitzumachen, weil er zeigen wollte, dass es ihm doch verdammt einfach gemacht wurde."

Martina Treuter, Dokumentarflimerin

Beispielsweise habe er zum Nachweis seiner Liquidität schlicht immer neue Plaketten an bestehende Bohrmaschinen angebracht: "Er hat das ganz prima hingekriegt, indem er an diesen Maschinen die Plaketten immer umgeschraubt hat."

Skrupellosigkeit und Gier

Quelle des Skandals seien eine Handvoll skrupelloser Emporkömmlinge um Schmider gewesen, gierige Banker an den großen Geldhäusern, eitle Politiker und versagende Kontroll-Instanzen: "Wenn jemand klar nachdenkt, hätte man sich schon fragen können, ob es in Ordnung ist, dass jemand mit dem Hubschrauber die zehn Kilometer zur Arbeit fliegt."

Statt zwei Autos habe Schmider 20 Stück besessen, statt einem Schiff drei, aber niemand habe das interessiert. Die Kontrollen seien zwar besser geworden, aber die Probleme mit Skrupellosigkeit und Gier gebe es weiterhin und jemand mit dieser kriminellen Energie "würde andere Mittel finden, sich da durchzumogeln".

Größenwahn von Kindesbein an

Der Staatsanwalt berichtet im Dokumentarfilm, dass sich Schmider schon mit 16 Freunde gekauft habe. "Und aus Klein-Manni wurde Groß-Manni. Er wollte diesen Reichtum auch zeigen", sagt Dokumentarfilmerin Treuter. "Er hat mit diesem Geld nicht nur sein Unternehmen finanziert, sondern seinen privaten Lebensstil."

Rausch erfasste auch Politiker

Die Leute seien begeistert gewesen, in seinem Helikopter mitzufliegen. "Das war alles so schön gelogen, dass keiner mehr wissen wollte, was die Wirklichkeit war." Dieser Rausch habe auch die Politik erfasst: "Ich glaube, dass die baden-württembergischen Politiker damals ganz, ganz glücklich darüber waren, dass wir so einen 'Vorzeige-Unternehmer' hier im Land haben."

Satire bleibt Satire

Im Gegensatz zu Sigrid Born hat Hans-Jochen Wagner, der in der Satire "Big Manni" spielt, keine Nähe zur realen Figur gesucht. "Ich habe den gar nicht treffen wollen, ehrlich gesagt." Für ihn könne ein satirischer Spielfilm ohnehin nicht "eins zu eins" die Figur Schmiders zeigen: "Ich erfinde eine Figur, die an diese Geschichte angelehnt ist. Praktisch an die Psychologie einer Figur, dass sie dem nahe kommen kann, was ihn angetrieben hat", sagte Wagner.

"Wenn ich mit dem eine Stunde Rotwein trinke, dann weiß ich nicht, was ich da für eine Erkenntnis rausziehen sollte", so Wagner. Er habe allerdings Wert auf eine genaue Recherche gelegt und "daraus eine Art Konglomerat gemacht, wie ich denke, dass man das spielen könnte".

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