Eine Szene aus "Game of Thrones", in der im Hintergrund der bekannte "Schwerterthron" zu sehen ist. (Foto: picture alliance / AP Photo)

Kulturwissenschaftler zum Start der letzten Staffel Das Geheimnis des Erfolgs: "Game of Thrones" erklärt die Welt

Seit heute läuft die voraussichtlich letzte Staffel "Game of Thrones". Hardcore-Fans bei uns saßen also um 3.00 Uhr morgens vorm Fernseher - und ließen sich die Welt erklären.

Der Friedrichshafener Kulturtheoretiker Jan Söffner hat "Game of Thrones" genau untersucht: "Das Publikum, das hauptsächlich die ersten Staffeln geguckt hat, hat hauptsächlich mittelalterlich gekleidete Leute in Burgen gesehen, die sich unterhalten. Das heißt, es gab ein großes Interesse an Erwachsenen-Problemen." Das unterscheide die Serie auch von "Harry Potter" und anderen Fantasy-Reihen.

Erfolgsgrund Nr. 1: Grenzgänger zwischen Genres

"Game of Thrones" sei weder eine reine Fantasy-Verfilmung noch eine rein realistische Geschichte, erklärt Söffner. Das habe "einen großen Reiz". In "Game of Thrones" gebe es zwar immer wieder Elemente aus Märchen und Fantasy-Literatur, aber in der Welt, in der die Handlung spielt, gelten diese Elemente als fast vergessene Mythen aus alter Zeit.

Erfolgsgrund Nr. 2: Ein Erklärmodell für die Welt

In einer unübersichtlichen Welt orientierten sich die Zuschauer gerne an Modellen, die Zusammenhänge unserer Welt im Kontext anderer Welten aufzeigten, sagt Söffner. Aus diesen Büchern und dieser Serie könne man etliche "politische Erklärungsansätze" ziehen.

Ein konkretes Beispiel dafür nennt er auch: "Das, was eigentlich droht, ist genau das, was eigentlich in den Hintergrund tritt. Die Leute kümmern sich um ganz andere, alltägliche Dinge." Söffner bezieht sich auf eine Gefahr, die vom Beginn der Handlung an hinter einer großen Grenzmauer im Norden lauert. Anstatt sich mit dieser existenziellen Gefahr auseinanderzusetzen, beschäftigten sich die Charaktere lieber mit allem anderen: von Verschwörungen in der Politik bis hin zu Liebschaften im privaten Schlafzimmer.

"Es ist sehr plausibel, dass man die eigentliche Gefahr gar nicht angeht", findet der Kulturwissenschaftler. "Wir kennen das von der Klimaveränderung. Der Autor, George R. R. Martin, hat am Anfang sicherlich nicht daran gedacht, aber ich glaube, das ist eine allgemeine Struktur, die unsere Zeit ganz gut trifft."

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