Ringen um Brexit-Abkommen Deutsch-Britische IHK: kein Abkommen – leere Regale

Premierministerin Theresa May bleibt nach dem gescheiterten Misstrauensvotum im Amt, muss aber weiter um Zustimmung für ihr Brexit-Abkommen werben. Scheitert sie, droht Chaos.

Der Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer, Ulrich Hoppe, fürchtet massive wirtschaftliche Schäden, wenn Großbritannien ohne Austrittsabkommen die EU verlässt. Im SWR betonte er, schon die aktuell gewachsene Unsicherheit nach der verschobenen Abstimmung über das Abkommen sei schädlich: "Das ist Gift für die Wirtschaft. Das ist Gift für zukünftige Investitionen." Sollte ein Szenario ohne Austrittsabkommen eintreten, würden britische Häfen und Flughäfen "komplett verstopft sein".


Chaotischer Brexit bedeutet leere Regale

Hoppe rechnet im Falle eines ungeordneten Brexits auch damit, dass die britische Bevölkerung die Auswirkungen unmittelbar zu spüren bekomme: "Wir werden relativ schnell merken, dass gewisse Waren knapper werden und dass manche Regale unter Umständen leer bleiben."

Lagerräume in Großbritannien knapp und teuer

Große Unternehmen hätten zwar vorgesorgt für diesen Fall, aber diese Vorsorge sei äußerst beschränkt: "Viele Unternehmen haben Lagerkapazitäten reserviert, um im Endeffekt einen gewissen Vorrat vorzuhalten, aber: Wieviel Lagerkapazitäten kann man reservieren? Das hält ein, zwei, drei, vier Wochen und gilt auch sicherlich nicht für alle Unternehmen. Gerade die kleineren Unternehmen haben nicht die Finanzmittel, jetzt teure Lagerkapazitäten anzumieten. Deswegen ist dann schon mit erheblichen Einschränkungen zu rechnen."

Im Audio hören Sie das Interview mit Ulrich Hoppe, dem Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer.

Letzte Hoffnung: Terminverschiebung durch House of Commons

Hoppe hofft aber weiterhin darauf, dass die meisten politischen Kräfte in Großbritannien dieses Szenario verhindern wollten: "Man darf nicht vergessen, dass die Mehrheit der Abgeordneten im House of Commons – also von allen Seiten – eigentlich keinen harten Brexit wollen." Finde May bis zum 21. Januar 2019, wenn spätestens über ein Abkommen abgestimmt werden soll, keine Mehrheit, "dann werden, glaube ich, alle Abgeordneten zusammen entscheiden, dass ein Austritt erst mal verschoben werden muss".

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