Rechtsextremisten bei einer Demonstration (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/Fotograf: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa)

Ein Jahr nach den NSU-Urteilen Experte: Die rechtsextreme Szene radikalisiert sich weiter

Auch ein Jahr nach den Urteilen im NSU-Prozess ist die Gefahr durch Rechtsextremisten in Deutschland nicht vom Tisch. Wir haben einen Szene-Kenner gefragt, wie rechtem Terror beizukommen ist.

"Pro Tag werden in Deutschland fast 50 Straf- und Gewalttaten von Rechtsextremen begangen", sagte Andreas Speit im SWR. Allerdings habe er den Eindruck, "dass dies nicht so sehr im öffentlichen Bewusstsein ist." Speit gilt als Kenner der rechtsextremen Szene in Deutschland und hat zahlreiche Bücher zum Thema geschrieben.

Andreas Speit geht davon aus, dass die deutschen Sicherheitsbehörden durchaus sehr genau hinschauen. Allerdings seien sie nicht in der Lage genau zu analysieren, welche Prozesse in der rechtsextremen Szene ablaufen. "Dort läuft seit etlichen Jahren eine Radikalisierung der Szene", ist sich Speit sicher. Die Wahrnehmung der Behörden sei noch immer sehr verengt. Noch immer würden rechter und linker Terror gleichsetzt. Die Unterschiede würden nicht erkannt.

Wie der Rechtsextremismus-Experte Andreas Speit über eine mögliche Verbindung des NSU zum Mordfall an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke denkt, hören Sie im Audio.

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Nicht nur Einzeltäter, sondern ein Netzwerk

Die rechtsextreme Szene bestehe nicht nur aus Einzeltätern, erklärte Speit weiter: "In der rechtsextremen Szene wird sehr genau diskutiert, welche Taten wie begangen werden könnten. Es gibt Strategiepapiere dazu. Und in diesem Zusammenhang muss man eben wirklich genauer hinschauen, welche Personen sich wie in diesem Netzwerk bewegen."

Internet bestärkt die rechte Szene

Hass und Hetze über das Internet sind nach Ansicht des Rechtsextremismus-Experten "ein Katalysator für die rechte Szene. Sie fühlen sich dadurch unglaublich bestärkt, weil sie den Eindruck bekommen, in der Mitte der Gesellschaft sei man der Meinung, man könnte jetzt mal richtig loslegen – und dann fühlen sie sich sozusagen berufen, als die Stimme des Volkes Taten zu begehen."

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