Ein Arzt, ein Verkehrsexperte, ein Unfallopfer im Rollstuhl und Bundesverkehrsminister Scheuer posieren vor zwei Plakaten mit Männern, die seit einem Verkehrsunfall Prothesen tragen müssen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Jörg Carstensen / dpa)

Kampagne "Runter vom Gas" Wie wirkungsvoll sind die neuen Schock-Bilder?

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Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat neue Plakate gegen Raser vorgestellt. Sie zeigen Menschen im Rollstuhl oder mit Prothesen. Aber geht deswegen jemand vom Gas?

Der Verkehrspsychologe Jens Schade von der TU Dresden ist skeptisch: "Ob sich damit direkt Unfälle vermeiden lassen, ist höchst umstritten", sagte Schade im SWR. Trotz der hohen Unfallzahlen sei es so, dass mit Blick auf den Gesamt-Verkehr, "die meisten Menschen selbst ja gar keinen Unfall erleben". Damit brauchten Plakat-Kampagnen einen langen Atem.

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Rasern sind Plakate egal - andere reagieren stärker

"Ein Befund ist der, dass besonders Menschen, denen die Sicherheit schon wichtig ist, auf diese Plakate positiv reagieren", sagte Schade. Es sei aber auch zu beobachten, dass "genau die Zielgruppe, die gefährdet ist – meistens junge Fahrer, häufig auch männlich – dass bei denen die Plakate nicht wirken, weil die sich sagen: Ich habe das im Griff, ich habe immer die Kontrolle."

Das ist ein weiter Weg.

Verkehrspsychologe Jens Schade zur Wirkung von Anti-Raser-Kampagnen

Bei Alkohol am Steuer hat's funktioniert

Es gebe aber auch ermutigende Entwicklungen. So hätten entsprechende Kampagnen in den 80er Jahren bei Alkohol gut funktioniert: "Warum das erfolgreich war, ist, dass man auch gesellschaftlich Trinken und Fahren als sozial inakzeptabel gelabelt hat." Damals sei Alkohol am Steuer noch ein Massen-Phänomen gewesen. Ein gesellschaftliches Umdenken sei auch hier die Hoffnung: "Das ist hier auch so ein bisschen der Versuch, andere Menschen – die Freunde, die Peer-Group – dafür zu sensibilisieren, damit die dann auch Druck auf die Problemgruppe ausüben."

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