Die Notruf-Nummer 112 auf einem Krankenwagen. (Foto: picture-alliance / Reportdienste)

Europäischer Tag des Notrufs Bundesweite "Notruf-App" gefordert

Europaweit machen am 11.2. Rettungsdienste auf ihre Arbeit aufmerksam - wegen der Notrufnummer 112 ausgesucht. Ihre Forderung: eine bundesweite "Notruf-App".

Für eine solche App müssten politische Entscheidungsträger die Übertragung von GPS-Daten bei Notrufen ermöglichen. Pierre-Enric Steiger, Präsident der Björn-Steiger-Stiftung, die maßgeblich die heutige Notruf-Infrastruktur aufgebaut hat, fordert eine schnelle Entscheidung und eine schnelle Fertigstellung der App.

"Das Bundeswirtschaftsministerium wird eine Ausschreibung für eine Bundesnotfall-App beauftragen, die wir sehr begrüßen", sagte Steiger im SWR.

Dauer

GPS-Daten von Smartphones nicht übertragbar

"Im Gegensatz zu einer Notrufnummer funktionieren die Ortungsinformationen eigentlich nur über Zentralsysteme", erklärte Steiger. "Die aktuellen Systeme können dies in der Form nicht."

Moderne Mobiltelefone bieten zwar deutlich präzisere Geo-Daten als ihre Vorgängermodelle, aber die Übertragung sei schwierig. Die eigentliche Hürde sei es, die Ortungsinformation an die direkt zuständige Notrufzentrale weiterzuleiten, sagte Steiger.

Rettungsdienste hatten schon fertiges System

Steiger kritisiert, dass die Bundesrepublik bei der Erfassung von Standortdaten im Notfall in den letzten Jahren hinter den Stand von 2006 zurückgefallen sei. "Das war wahrscheinlich das frustrierendste, was uns je passiert ist", sagte er. "Wir haben die Handy-Ortung 2006 bundesweit in allen Notrufzentralen eingeführt."

Der Gesetzgeber habe dann aber die Bemühungen der Retter ins Leere laufen lassen. Die Handy-Ortung sei "mit Änderung des Telekommunikationsgesetzes 2011 schon nicht mehr zulässig gewesen".

"Am Datenschutz darf keiner sterben"

Beachtenswert sei, dass nicht der Datenschutz der Grund gewesen sei, so Steiger. Der damalige Datenschutzbeauftragte Peter Schaar habe immer wieder betont, "Am Datenschutz darf keiner sterben." Das System sei am Gesetzestext und der dahinterstehenden politischen Entscheidung gescheitert.

Polizeiauto mit Blaulicht (Foto: dpa Bildfunk)
Für die Polizei gilt die 110

Wann wähle ich die 112?

Die 112 ist in der ganzen EU - sowie in Israel, Norwegen, Russland, der Türkei und der Schweiz - die Nummer über die man kostenlos zum Rettungsdienst und zur Feuerwehr kommt.

Es kommt auf das subjektive Empfinden an, wann eine Situation zum Notfall wird. Bei Unfällen, Bränden oder in anderen Notfallsituationen muss die 112 gewählt werden. Aber auch bei plötzlichen Schmerzen in der Brust sowie Sprach- oder Sehstörungen. Dies könnten Anzeichen für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall sein.

Wann wähle ich die 110?

Die 110 ist der Notruf der Polizei. Dieser sollte immer dann gewählt werden, wenn man sich bedroht fühlt oder in einer gefährlichen Situation ist. Auch wenn man eine Straftat oder Gefährdungssituation beobachtet, sollte man die 110 wählen. Dazu reicht auch schon der Verdacht einer Straftat.

Wann die 116 117?

Braucht man "nur" den Hausarzt, aber dessen Praxis ist geschlossen, wählt man die 116117 – dies kann bei Fällen von Brechdurchfall sein oder bei einer Infektionskrankheit wie den Masern. Unter dieser bundesweiten Notrufnummer erreicht man den ärztlichen Bereitschaftsdienst und erfährt, wo die nächste diensthabende Bereitschaftspraxis ist.

AUTOR/IN
STAND