Ein Hund sitzt am Strand des «Milk Beach», während Strandbesucher im Wasser schwimmen, und der Himmel durch Rauch von Buschfeuern verdunkelt ist (Foto: dpa Bildfunk, Steven Saphore)

Gespräch mit Augenzeugin aus Sydney Buschbrände in Australien: In Sydney herrscht "Endzeitstimmung"

Sydney ist in beißenden Rauch gehüllt: Mehr als einhundert Feuer lodern rund um die größte Stadt Australiens. Meteorologen warnen vor einer neuen Hitzewelle.

Sydney, das sind glitzernde Wolkenkratzer, Traumstrände und das Türkisblau des Pazifik - normalerweise. Die außergewöhnlich starken Buschbrände in der Nähe haben die australische Metropole in dichten beißenden Qualm gehüllt.

"Heute war es so schlimm, man konnte das Meer nicht mehr sehen", schildert Vera Sprohten im SWR ihre Eindrücke. Die freie Journalistin lebt mit ihrer Familie am weltberühmten Bondi Beach. Dabei wird vom Gang vor die Tür derzeit wenn möglich abgeraten. "Man bekommt kaum Luft, nach kürzester Zeit kratzt es in der Kehle und die Augen brennen", so Sprohten. Das berühmte sorgenfreie Lebensgefühl der Australier, "No Worries", stelle sich derzeit nicht ein.

Neue Hitzewelle angekündigt

Rund hundert Buschfeuer lodern momentan im Bundesstaat New South Wales, darunter ein Großbrand im Nordwesten von Sydney, der aus mehreren kleineren Bränden zusammengewachsen ist und 2.500 Quadratkilometer Land zerstört hat. Dazu kommen Temperaturen von 40 Grad und mehr. Die Meteorologen kündigen für die Hauptstadt Sydney eine neue Hitzewelle mit starken Winden an.

Smog wie in Dehli

Der Qualm und die Umweltbelastung hat auch in Australien das Bewusstsein für die Folgen des Klimawandels gestärkt, sagt Vera Sprohten. Der Bevölkerung sei klar geworden, dass ihre Stadt in einer Reihe mit "Smogstädten" wie Djakarta, Shenzen oder Dehli stehe.

Dass die Feuer sich so rasant ausbreiten und kaum in den Griff zu bekommen seien, liege vor allem an der Trockenheit. Die Böden seien ausgedörrt, die Buschbrandsaison habe außergewöhnlich früh begonnen.

Ein Gefühl von Endzeitstimmung

Wie viele andere befürchtet auch Vera Sprohten, dass die Feuer den Highway überspringen könnten und dann unmittelbar vor Sydney stehen. In den meisten Gegenden gebe es kaum Ausweichstrecken und nur eine Straße, die in die Stadt rein oder raus führt. Das schaffe ein Gefühl von Endzeitstimmung, denn alle wüssten: "Wenn es brennt und die Straße dicht ist, komme ich hier nicht mehr raus." Dann bliebe nur noch der Weg übers Meer.

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