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Proteste bei G20 Journalist: Rechtsradikale unter Randalierern

Unter den Randalierern beim G20-Gipfel in Hamburg seien auch etliche Mitglieder der rechtsradikalen Szene gewesen. Das sagt Andreas Scheffel, Video- und Fotojournalist, im Interview. Er selbst habe mehr als 70 von ihnen zweifelsfrei identifizieren können.

Proteste beim G20-Gipfel

Beim G20-Gipfel in Hamburg sollen unter den Randalierern auch etliche Mitglieder aus der rechtsradikalen Szene gewesen sein.

Bereits in der vergangenen Woche kursierte die Meldung, dass sich auch Rechtsradikale und Hooligans unter den Randalierern bei den G20-Protesten befunden haben sollen. Im SWR-Interview bestätigt der Video- und Fotojournalist Andreas Scheffel aus Göppingen jetzt diese Angaben. Er selbst habe unter den Demonstrierenden zweifelsfrei Rechtsradikale identifizieren können.

Wie haben Sie festgestellt, dass es sich bei einigen Randalierern um Mitglieder aus der rechtsradikalen Szene handelte?

Die Personen konnte ich anhand von eigenen Daten identifizieren, die mir durch meine langjährige Arbeit zur Verfügung stehen. Aus dem Bereich der Demonstrationen oder anderen Veranstaltungen, bei denen ich immer wieder zugegen bin.

Aber diese Personen tragen doch nicht offen irgendwelche rechtsradikalen Zeichen, oder?

Nein, die vermummen sich, sind schwarz gekleidet. Mir sind sie aufgefallen und ich konnte sie über ihre Artikulation, wie sie sich gegeben haben, wie sie gesprochen haben, zuordnen. Ich konnte dann auch verschiedene Leute an Gesichtern erkennen.

Sie recherchieren schon länger in der rechten Szene, kennen viele der Protagonisten. Waren das in Hamburg irgendwelche Mitläufer oder waren da bekannte Gesichter dabei?

Es waren bekannte Gesichter aus der Szene darunter - aber als Foto- und Video-Journalist muss ich natürlich auch deren Persönlichkeitsrecht wahren. Es waren, so viel kann ich sagen, Personenkreise aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, aus Sachsen und aus Hessen in Hamburg.

Die Krawalle beim G20-Gipfel werden der Linken-Szene angelastet, organisierten Chaoten, die aus ganz Europa angereist waren. Waren Sie überrascht, dass in Hamburg auch Rechte mit randaliert haben?

Eine Barrikade während G20

Eine Barrikade während G20

Nein, das sieht man immer wieder, dass rechte Gruppierungen sich bei größeren Veranstaltungen versuchen autonom drunter zu mischen. So, dass sie nicht auffallen.

Aber es kommt auch auf den Veranstaltungstyp an. Bei den "normalen" Demonstrationen sind beide Gruppen grundsätzlich aufgegliedert. Also ein Antifa-Block auf der einen Seite und auf der anderen die rechte Gruppe. Normalerweise kann man da sehr genau trennen. Aber in Hamburg wurden die Einfallstraßen, wo es dann zu den Gewaltexzessen gekommen war, meiner Meinung nach von der Polizei offen gelassen - jeder konnte da rein.

Die Sicherheitsbehörden versuchen nach den G20-Krawallen mit Hilfe von Fotos und Filmaufnahmen Randalierer zu identifizieren. Was passiert denn mit ihren Bildern? Haben Sie die den Behörden zur Verfügung gestellt?

Nein. Das ist auch nicht meine Arbeit, sondern die der Justiz. Einen derartigen Aufruf, wie ihn Herr de Maizière gemacht hat, halte ich aus Sicherheits- und datenschutzrechtlichen Gründen allein schon für sehr bedenklich.

Alle Daten, die die mit angeben, die Bilder zur Verfügung stellen, könnten von dritten Personen abgefangen werden. Außerdem könnten Bilder manipuliert sein oder von anderen Veranstaltungen oder aus anderen Szenerien stammen.

Fotografen halten Festnahme bei G20 fest

Fotografen halten eine Festnahme bei den Protesten gegen den G20-Gipfel in Hamburg fest.

Auf ihrer Facebook-Seite beschreiben Sie, wie Sie bedroht werden, wie ernstzunehmend sind diese Drohungen?

Es gab im letzten und auch schon in diesem Jahr mehrfach Anschläge auf mein Haus. Etwa einen Backsteinwurf durchs Küchenfenster - der keinen unerheblichen Schaden angerichtet hat.

Und trotz der Angriffe auf Ihre Person machen Sie weiter?

Natürlich. Auch trotz der jüngsten Todesdrohungen und Aufrufen zum Lynchen inklusive Namen und Adresse auf VKontakte. Das ist ein Netzwerk ähnlich wie Facebook, über das sich viele Personen aus der rechten Szene austauschen.

Haben Sie denn keine Angst?

Man hat natürlich ein mulmiges Gefühl. Aber für mich zählt, dass ich meine Recherche und meine Arbeit auf hochprofessionelle Art und Weise mache. Für mich ist das auch eher ein Ansporn: Es zeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Nachgeben? Auf gar keinen Fall.

Die Fragen stellte SWR-Redakteur Gerhard Leitner | Online: Lena Seiferlin

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