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Pro und Contra Mehr Sachleistungen statt Geld

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat angesichts des starken Zuzugs von Flüchtlingen nach Deutschland eine Überprüfung der Leistungen für Asylbewerber gefordert - mehr Sachleistungen statt Bargeld. Was spricht dafür - was dagegen?

 ARCHIV - Ei Asylbewerber steht bei seinem Koffer im Hintergrund geld

Flüchtling ist nicht gleich Flüchtling: Die Motive sind verschieden, über die richtige Hilfe wird diskutiert

Was für den Vorschlag von Bundesinnenminister de Maizière spricht

Evelyn Seibert, SWR Hauptstadtstudio Berlin

Evelyn Seibert

Evelyn Seibert, SWR Hauptstadtstudio Berlin

Wer hier nur kurze Zeit als Flüchtling verbringt, kann mit dem Geld, das er bekommt, im Kosovo ein ein halbes Jahr leben. Völlig klar, dass tausende Menschen, denen es schlecht geht, zu uns kommen wollen, um dieses Angebot wahrzunehmen. Dann wäre es fast günstiger, ihnen das Geld gleich in den Kosovo zu überweisen. Damit sie dort direkt an ihrer Zukunft arbeiten können - ohne die beschwerliche Reise nach Deutschland zu unternehmen und Schleppern die letzten Ersparnisse in den Rachen zu schmeißen.

Bei uns bleiben und sich hier integrieren, dürfen die allermeisten Flüchtlinge aus dem Balkan sowieso nicht. Solange wir kein vernünftiges Einwanderungsgesetz haben, das Menschen, die aus Armutsgründen zu uns kommen, einen legalen Weg ins Land ermöglicht - müssen wir die vorziehen, die verfolgt und in Lebensgefahr sind, die nicht mehr in ihre Heimat zurück können. Und die denken nicht an Geld - sondern ans Überleben. Dafür reicht - zumindest für den Anfang - auch Essen, ein Bett und ein sicheres Dach über dem Kopf. Und vor allem freundliche Menschen, die einen willkommen heißen und in die Gesellschaft aufnehmen. Den meisten Flüchtlingen, die zu uns kommen, ist es sowieso wichtiger, möglichst bald selbst Geld verdienen zu können, statt Taschengeld zu bekommen.

Was gegen den Vorschlag von Bundesinnenminister de Maizière spricht

Uwe Lueb, SWR Hauptstadtstudio Berlin

Uwe Lueb

Uwe Lueb, SWR Hauptstadtstudio Berlin

"Asylbewerber bekommen in Deutschland so viel Geld wie ein Polizist im Kosovo oder Albanien". Mit diesen Worten facht de Maizière eine Neiddebatte an - und zwar nach unten. Was sagt der Vergleich denn aus? Nichts. Oder kann man auch die Preise im Kosovo und Albanien mit denen zum Beispiel in Stuttgart oder Mainz vergleichen? Nein. In den Worten de Maizières schwingt mit, dass weniger Menschen zu uns kämen, wenn wir sie nicht so gut behandelten.

Was ist dann mit den Flüchtlingen in Ungarn und Schweden? Oder den Tausenden, die ihr Leben noch einmal riskieren, wenn sie versuchen, auf Züge durch den Eurotunnel Richtung England aufzuspringen? - "Wenigstens aber mehr Sachleistungen als Bargeld!", sagt de Maizière. So wie im Juli schon Hessens Regierungschef Bouffier. Warum? Um die Menschen zu stigmatisieren - als Almosenempfänger? "Aber das Taschengeld kürzen!" Warum? Sind bis zu rund 140 Euro im Monat so üppig? Nein.

Einer Flucht in ein unbekanntes Land, dessen Sprache man nicht spricht, geht meistens tiefe Verzweiflung voraus. Lasst uns lieber darüber reden, über die wahren Fluchtursachen und ob Deutschland und die Weltgemeinschaft nicht viel mehr dagegen tun könnten und müssten.

Online: Heidi Keller